5. Die Dialoge

Eine nachdenklich wirkende Frau und ein Zigarette rauchender Mann unterhalten sich vor einem geöffneten Fenster

Ein weiterer wichtiger Baustein sind gute Dialoge. Aber was ist guter Dialog? Er geht stets über das rein informative hinaus.

Gute Dialoge sind überraschend und irritierend wie in Polanskis „Chinatown“. Sie sind geheimnisvoll und abgründig wie in Sheridans „Wind River“. Sie sind konfrontativ und schonungslos wie in Kurosawas „Die sieben Samurai“. Sie sind doppeldeutig oder auch anzüglich wie in Lubitschs „Ninotschka“. Sie sind schlagfertig und schwarzhumorig wie in Wilders „Extrablatt“. Sie sind selbstironisch und witzig wie in Allens „Mach’s noch einmal Sam“.
Gute Dialoge sind indirekt und implizit, lakonisch und mehrdeutig. Sie enthalten Subtext, d.h. der Zuschauer wird zum Nachdenken angeregt. Er fungiert quasi als Detektiv und muss sich Zusammenhänge erschließen. Interessant ist, was zwischen den Zeilen gesagt wird. Gute Dialoge sind nie tautologisch, d.h. sie wiederholen nicht Dinge, die man ohnehin erfahren hat. Dialoge können auch nonverbal sein. Ein Augenaufschlag, ein Achselzucken kann mehr sagen als ein langer Monolog.

BEISPIEL FÜR EINEN GUTEN DIALOG:
SIE: „Wenn ich irgendeinen Witz anfange, dann stiehlst du mir die Pointe. Wenn ich diät esse, dann nimmst du ab. Wenn ich mich erkälte – du hustest und wenn wir jemals ein Kind bekommen sollten, dann bist du wahrscheinlich die Mutter.“
ER: „Wenn ich der Vater bin, wäre ich zufrieden.“
(Eheszene aus „Sein oder Nichtsein“ von Ernst Lubitsch, 1941)

BEISPIEL FÜR EINEN SCHLECHTEN DIALOG:
ER: „Ich bringe dir eine kleine Überraschung mit.“
SIE: „Was denn?“
ER: „Sag ich nicht, sonst wär’s ja keine Überraschung.“
(Eheszene aus „The Power of the Dog“ von Jane Campion, 2021)

Howard Hawks hat einmal gesagt, dass er seine Filme für die paar Leute in einem vollbesetzten Kino macht, die am schnellsten denken können. Das sollte der Maßstab sein.