Alien – Director’s Cut (Ridley Scott) USA 2003

Ridley Scott ist genauso wie sein Bruder Tony ein Synonym für gut gemachte, spannende Unterhaltung. So auch in „Alien – das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“. Es beginnt mit Impressionen des Frachtraumschiffs Nostromo, mit unheilvollen Vorahnungen, dass dieser Triumph der Technik sich als Trugschluss erweisen könnte. So spannend die Exposition ist, deutet sie doch zugleich auf einen der Schwachpunkte des Films hin: Alles sehr technisch.

Die Einheit von Zeit, Raum und Handlung ist ein großer Pluspunkt, ändert aber nichts an der dünnen Story: Im Jahr 2122 empfängt die Nostromo mysteriöse Funksignale von einem kleinen Planeten. Ein Erkundungstrupp stößt dort auf auf unbekannte Lebensformen, die bei der Rückkehr mit an Bord des Raumschiffs gelangen. Es ist ein „Alien“, das nach und nach alle Besatzungsmitglieder tötet, bis auf Offizier Ellen Ripley (Sigourney Weaver), die sich im letzten Moment des Monsters entledigen kann.

Zur Dominanz der Technik gehört auch das Fehlen von Beziehungen unter den Besatzungsmitgliedern. Es gibt ein bisschen Geplänkel von Parker und Brett über zu niedrige Prämien und eine Kontroverse über die Entscheidung von Captain Dallas, bei der Rückkehr des Suchtrupps geltende Quarantänevorschriften zu ignorieren. Aber, das war’s dann auch. Keine Liebes-, keine Familiengeschichten. Keine Geheimnisse, keine Backstories. Die Kälte des Weltalls scheint auch von der Crew Besitz ergriffen zu haben. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich der Wissenschaftler Ash als Roboter entpuppt. Eine wirklich interessante Person ist nicht an Bord. Ellen Ripley hätte es werden können, aber wir erfahren zu wenig von ihr.

Ein weiterer Schwachpunkt ist das „Alien“, das hier als glibberiges, formänderndes Wesen in Erscheinung tritt. Letztlich ist es zu künstlich und zu amorph. Es ist zwar furchterregender als der Sandwurm in „Dune“, wozu aber nicht viel gehört. Aber es kann nicht ansatzweise dem „weißen Hai“, den Raptoren in „Jurassic Park“ oder den Krokodilen in „Crawl“ das Wasser reichen. Es fehlt das Figürliche. Ein weißer Hai ist ein weißer Hai. Er verändert seine Form genauso wenig wie seinen immensen Appetit. Des weiteren operieren die letzten drei Horrorfilme mit Suspense, d.h. der Zuschauer wird teilweise über die bedrohliche Anwesenheit des Raubtieres informiert, nicht aber der Protagonist. So wird Spannung natürlich vorbildlich eskaliert. „Alien“ operiert mit Überraschungen, etwa wenn das kleine Monster aus Kanes Bauch heraus ins Freie schlüpft. Diese Szene ist sehr schön retardiert. Ein Film mit Überraschungen ist natürlich nicht schlecht, aber was sind sie schon im Vergleich zu Suspense. Irgendwann erahnt man in „Alien“ auch das Unheil, etwa wenn Brett im Rumpf des Schiffes mit einem Flammenwerfer auf Jagd geht. Eine Überraschung, die man ahnt, ist aber auch keine Überraschung mehr.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 3 blaue Smileys und 4 schwarze traurige Gesichter für "Alien"

Dune (Denis Villeneuve) USA 2021

Jetzt weiß ich endlich, was die Voraussetzungen für eine Oscar-Nominierung 2022 sind: zwei Stunden Langeweile. „Dune“ von Denis Villeneuve erreicht sogar zweieinhalb Stunden. Trotz der dichten literarischen Vorlage von Frank Herbert schafft der Film es, keine Geschichte zu erzählen! Schon bemerkenswert. Die Zusammenhänge, die Vorgeschichte und die Motivationen der Figuren bleiben weitgehend im Unklaren. Nichts vom vorangegangenen Kampf der Menschen gegen Künstliche Intelligenz. Nichts von der tieferen Bedeutung des Spice-Abbaus auf dem Wüstenplaneten Arrakis. Es gibt kein erkennbares Bemühen um Verständnis.

Der Science-Fiction-Film kommt völlig spannungs- und humorfrei über die Runden. Der 400 Meter lange Sandwurm ist eine Lachnummer, aber doch keine Bedrohung (sehnsuchtsvolle Erinnerungen an den „Weißen Hai“)! In „Dune“ dominieren die Special Effects, die Ausstattung und die Landschaftsaufnahmen, die ebenso bildgewaltig wie elegisch in Zeitlupe daherkommen. Zeitraffer wäre besser gewesen.

Der Held, der junge Herzog Paul Atreides, schaut beständig bedeutungsschwanger oder albtraumgebeutelt aus der Wäsche. Seine Mama hat etwas Schimärenhaftes, ohne leider jemals wirklich böse zu sein. Papa Leto bleibt schablonenhaft und blass. Mit wem oder was soll man denn hier mitzittern? Lediglich das Feuilleton sorgt für Erheiterung, indem es in seinen Kritiken Allegorien zu Kolonialismus, Kapitalismus, Umweltzerstörung, Abzug der Alliierten aus Afghanistan usw. erkennt. Immerhin kommt ZEIT ONLINE zum erkenntnisreichen Fazit: „Irgendwie ist der Wurm drin“. Aber was haben diese originellen Interpretationen mit dieser erbärmlichen Erzählung zu tun? „Dune“ ist nichts als eine pompöse Nullnummer. Da fehlt eigentlich nur noch einer. Genau. Unser Hänschen (Zimmer) ist auch noch mit von der Partie und drischt dann noch mal ordentlich auf die Pauke. Das passt schon perfekt zusammen: Schnickschnack par excellance. Beunruhigend ist nur die Ankündigung der Produktion, in naher Zukunft einen zweiten Teil zu drehen.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 1 blauer Smiley und 6 schwarze traurige Gesichter für "Dune"
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