La Strada (Federico Fellini) Italien 1954

„La Strada – Das Lied der Straße“, so der deutsche Verleih-Untertitel, gehört zu den Filmen, die über Jahrzehnte ihre emotionale Kraft bewahrt haben. Er entführt den Zuschauer in eine wundersame, fremde Welt, ohne je die Bodenhaftung zu verlieren (wie es Federico Fellini in späteren Filmen passiert ist).

„La Strada“ beginnt am Meer und endet am Meer. Er beginnt mit Tränen und endet mit Tränen. Am Anfang ist es die Mutter, die ihre Tochter Gelsomina für 10.000 Lire an den herumfahrenden Gaukler Zampano verschachert. Der Gewinn des Geldes ist zugleich der Verlust des Kindes. Am Ende ist es Zampano, der sich endlich seine Gefühle für Gelsomina eingesteht, als sie schon längst gestorben ist.

Zwischen dem dramatischen Beginn und dem Ende liegt ein Roadmovie, das den Zuschauer wie in einem Science-Fiction-Film durch ein verarmtes Nachkriegsitalien führt. Dabei vereint „La Strada“ zwei klassische Erzählmotive: „Die unmögliche Liebe“ und „Das mörderische Dreieck“. Gelsominas Liebe zu Zampano scheitert an seiner Gefühlsarmut, seiner Grobschlächtigkeit, seiner Humorlosigkeit. Als sie seine Schale geknackt hat und er sich zum ersten Mal liebevoll um sie kümmert, ist sie bereits seelisch erkrankt, ist es zu spät. Gelsominas Gefühle für den Artisten Matto haben keine Chance, weil das Abhängigkeitsverhältnis zu Zampano dominant ist. Der behandelt sie wie einen Hund und sie lässt es meistens geschehen. Matto ist die dritte Person, die in diese Beziehung eindringt. Er wirbt um Gelsomina und wäre mit seinem Witz, seiner Phantasie, seiner Lebensfreude der geeignetere Partner. Am Ende stirbt er an den Folgen eines Faustschlags, den Zampano ihm zufügt.

Der eigentliche Star des Films ist Gelsomina, gespielt von Giulietta Masina (Fellinis Ehefrau). Sie hat etwas Naives, Sanftmütiges, Verspieltes, Clowneskes und erobert bei den gemeinsamen Varieténummern die Herzen der Kinder. Mit großen Augen scheint sie die Welt zu erforschen. Jede Empfindung ist in ihrem Gesicht ablesbar, ein weiterer Aspekt der außergewöhnlichen Visualität dieses Films. Zampanos Gefühlswelt scheint hingegen in Ketten zu liegen, wie es eine seiner Zirkusnummern versinnbildlicht. Während er bei seinen Vorführungen stets die Fesseln sprengt, gelingt es ihm im Leben zu spät. „La Strada“ ist eines der ganz großen Melodramen der Filmgeschichte.

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