Keine Zeit zu sterben (Cary Joji Fukunaga) GB 2021

Es gibt ein spannendes Opening, schöne Städte- und Landschaftsaufnahmen und fulminante Actionszenen. Ansonsten alles wie gehabt: Am Ende rettet James Bond die Welt. Aber man schaut ja auch keinen James-Bond-Film, um große Überraschungen zu erleben. Da weiß man eben, was man hat. Das vermittelt Sicherheit, auch wenn James hier am Ende zu sterben scheint. Aber wer weiß?

Der Agententhriller ist viel zu lang. Zwei Stunden Altbekanntes hätten vollauf genügt, zumal der Film vor Abstrusitäten nur so strotzt. Am Anfang fragt man sich noch, warum James Bond seiner hübschen Freundin Madeleine den Laufpass gibt? Hat sie ihn an Spectre verraten? Welche Anhaltspunkte hat er dafür? Der Boss von Spectre sitzt doch hinter Schloss und Riegel? Dann tauchen schon die nächsten Ungereimtheiten auf und irgendwann gibt man es auf, nach Antworten zu suchen. Spannung entsteht zu keiner Zeit. Ein einziges Mal fiebert man mit einer Person mit: Man hofft, dass Madeleines kleiner Tochter in den Fängen des Antagonisten Safin nichts geschieht. Aber der Film ist ja frei ab 12 Jahren. Also ist diese Sorge auch überflüssig.

Die weltweiten Einspielergebnisse relativieren im Grunde jede Kritik. Andererseits sind das ja nur Zahlen. Sind die Menschen so einfach gestrickt? Brauchen sie nur ein bisschen Action, Ballereien, einen siegreichen Helden mit einer schönen Frau an seiner Seite? Männerdialoge nach der Kinovorführung vor der Toilette scheinen diesen Verdacht zu bestätigen: „zu gefühlsduselig“, „zu viel Dialoge“. Also, noch mehr Ballereien oder wie?

Weitaus komplexer ist das Krebsgeschwür „Political correctness“, von dem viele aktuelle Kinoproduktionen befallen sind, auch die James Bond Filme. Damit keine Missverständnisse entstehen: Political correctness, Diversität, MeToo, Gewaltlosigkeit, Respekt, Antirassismus usw. sind alles wunderbare Sachen, haben aber bei der Entwicklung von Filmgeschichten überhaupt nichts verloren. Im Gegenteil. Ein guter Film braucht das Unkorrekte und die Dramatik, die daraus resultiert. Alles andere wird schnell langweilig.

Also, Miss Moneypenny ist jetzt Schwarzafrikanerin, genauso wie die neue 007: Nomi! Was dabei auf der Strecke bleibt, ist z.B. das liebevolle Geplänkel zwischen dem toupierten Bürodrachen Moneypenny und den kaum verhohlenen Anzüglichkeiten eines Sean Connery. Was auf der Strecke bleibt, ist die unerschütterliche Sturheit des wahren James Bond. Der hätte seine Wiederernennung zur 007 abgelehnt und seinem Boss „M“ etwas gehustet. Denn der hat ja in Tateinheit mit der britischen Regierung das Herakles-Programm mit zu verantworten – der Quell allen Übels.

Ein echter James Bond fängt auch nicht fast an zu heulen, nur weil er seiner Verflossenen seine Liebe gesteht. Ein echter James Bond hätte die Hilfe seiner Nachfolgerin beim Showdown abgelehnt – egal ob schwarz, weiß, Mann oder Frau. Der hätte die paar dutzend Gangster alleine erledigt. Also, Zeit zu sterben.

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