Dune (Denis Villeneuve) USA 2021

Jetzt weiß ich endlich, was die Voraussetzungen für eine Oscar-Nominierung 2022 sind: zwei Stunden Langeweile. „Dune“ von Denis Villeneuve erreicht sogar zweieinhalb Stunden. Trotz der dichten literarischen Vorlage von Frank Herbert schafft der Film es, keine Geschichte zu erzählen! Schon bemerkenswert. Die Zusammenhänge, die Vorgeschichte und die Motivationen der Figuren bleiben weitgehend im Unklaren. Nichts vom vorangegangenen Kampf der Menschen gegen Künstliche Intelligenz. Nichts von der tieferen Bedeutung des Spice-Abbaus auf dem Wüstenplaneten Arrakis. Es gibt kein erkennbares Bemühen um Verständnis.

Der Science-Fiction-Film kommt völlig spannungs- und humorfrei über die Runden. Der 400 Meter lange Sandwurm ist eine Lachnummer, aber doch keine Bedrohung (sehnsuchtsvolle Erinnerungen an den „Weißen Hai“)! In „Dune“ dominieren die Special Effects, die Ausstattung und die Landschaftsaufnahmen, die ebenso bildgewaltig wie elegisch in Zeitlupe daherkommen. Zeitraffer wäre besser gewesen.

Der Held, der junge Herzog Paul Atreides, schaut beständig bedeutungsschwanger oder albtraumgebeutelt aus der Wäsche. Seine Mama hat etwas Schimärenhaftes, ohne leider jemals wirklich böse zu sein. Papa Leto bleibt schablonenhaft und blass. Mit wem oder was soll man denn hier mitzittern? Lediglich das Feuilleton sorgt für Erheiterung, indem es in seinen Kritiken Allegorien zu Kolonialismus, Kapitalismus, Umweltzerstörung, Abzug der Alliierten aus Afghanistan usw. erkennt. Immerhin kommt ZEIT ONLINE zum erkenntnisreichen Fazit: „Irgendwie ist der Wurm drin“. Aber was haben diese originellen Interpretationen mit dieser erbärmlichen Erzählung zu tun? „Dune“ ist nichts als eine pompöse Nullnummer. Da fehlt eigentlich nur noch einer. Genau. Unser Hänschen (Zimmer) ist auch noch mit von der Partie und drischt dann noch mal ordentlich auf die Pauke. Das passt schon perfekt zusammen: Schnickschnack par excellance. Beunruhigend ist nur die Ankündigung der Produktion, in naher Zukunft einen zweiten Teil zu drehen.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 1 blauer Smiley und 6 schwarze traurige Gesichter für "Dune"

Prisoners (Denis Villeneuve) USA 2013

Alle Figuren in diesem düsteren Psychothriller sind hervorragend besetzt. Das Milieu, die Ausstattung, die Atmosphäre, die Filmmusik – alles perfekt. Zudem baut „Prisoners“ eine abgründige, sogartige Spannung auf, die einen bis zum Ende buchstäblich gefangen nimmt. So weit – so gut.

Andererseits setzt der Film negative Maßstäbe auf der Defätismusskala. Die Entführung und drohende Ermordung zweier kleiner Mädchen sowie die ungeschminkte Verzweiflung der Elternpaare ist hochgradig quälend. Die Darstellung der Selbstjustiz inklusive Folterungen ist nicht mehr fragwürdig, sondern nur noch daneben. Verschärfend kommt hinzu, dass der Folterknecht Keller Dover (Hugh Jackman) auch noch die Lösung des Falls herbeiführen darf. Zu keiner Zeit wird die Metamorphose vom Opfer zum Täter moralisch in Frage gestellt. Das Motiv der Psychopathin Holly Jones, kleine Kinder zu entführen und zu töten, weil sie als strenggläubige Christin ihr eigenes Kind und ihren Glauben verloren hat, mutet schon hanebüchen an.

Letztlich hat der Film auch nicht ansatzweise eine Geschichte zu erzählen, die für den Betrachter eine Bereicherung wäre. Wozu der ganze Aufwand? Wieso geben sich hochkarätige Crewmitglieder wie Roger Deakins oder Jake Gyllenhaal für diesen Psychomüll her? Fazit: Wer sich selbst zweieinhalb Stunden lang quälen möchte, dem sei „Prisoners“ an die Nieren gelegt. Liebhaber von harten, exzellent erzählten Psychothrillern können u.a. in der TOP 20 der Filmgeschichte fündig werden.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 2 blaue Smileys und 5 schwarze traurige Gesichter für "Prisoners"

Sicario (Denis Villeneuve) USA 2015

Von Beginn an wird man in diesem Thriller in einen Strudel eskalierender Spannung hineingezogen, der einen bis zum Schluss mitreißt. „Sicario“ von Denis Villeneuve wird aus der Perspektive der Hauptfigur, der jungen FBI-Agentin Kate Macer erzählt, die sich freiwillig einer Anti-Drogen-Spezialeinheit anschließt. Wahrscheinlich eine Abteilung der CIA? Man weiß es anfangs nicht so genau und das ist gut so.

Der Zuschauer erfährt immer genauso viel oder so wenig vom undurchsichtigen Geschehen wie die Heldin. „Sicario“ ist ein Prototyp Ibsenscher Dramaturgie, also der häppchenweisen Enthüllung von dramatischen Ereignissen. Es werden jede Menge Fragen aufgeworfen, die beantwortet werden wollen. Im Fachjargon: produktive Irritation. Wie ein Puzzle fügt sich die Geschichte nach und nach zusammen. Eigentlich geht es um ein klassisches Erzählmotiv, um eine Rachegeschichte. Der von der CIA angeheuerte Söldner Alejandro Gillick will Vergeltung für die Ermordung seiner Familie durch den mexikanischen Drogenboss Alarcón. Dabei ist die Spezialeinheit, der auch Alejandro angehört, nur ein Vehikel für seine Rache und Kate – wie sich am Schluss herausstellt – nur eine Schachfigur. Denn die CIA darf im eigenen Land nur in Zusammenarbeit mit einer anderen Bundesbehörde Operationen durchführen. Nur deshalb wird Kate benötigt. Nicht für den vorgeblichen Kampf gegen den Drogenhandel. Das ist bitter für die idealistische Heldin und deshalb ist es dramaturgisch gut.

„Sicario“ hat zwei Schwachpunkte. Zum einen ist es die Szene an der Grenzstation bei der Überführung eines mexikanischen Drogenbosses, als es zu einem unerwarteten Stau kommt. Ein verdächtiges Fahrzeug wird von schussbereiten amerikanischen Elitesoldaten umstellt. Dass die mexikanischen Gangster in diesem Moment trotzdem zur Waffe greifen, was – oh Wunder! – ihr sofortiges Ableben zur Folge hat, ist schon ein bisschen dämlich. Vor allem aber ein Verstoß gegen eine elementare dramaturgische Regel: Der oder die Antagonisten sollten so intelligent und hinterhältig wie möglich sein. Warum, ist klar. Weil die Protagonisten es dann schwieriger haben.

Der zweite Schwachpunkt ist schon gravierender. Er betrifft den Schluss des Films und der ist nichts anderes als Verrat an der Hauptdarstellerin. Wenn Alejandro Kate nämlich die Pistole auf die Brust setzt, um ihre Unterschrift unter dem geschönten Abschlussbericht zu bekommen, dann müsste sie, dann darf sie nicht klein beigeben. Zumal sie kurz zuvor das ganze Ausmaß der Intrige erfasst hat. Zumal Alejandro ihr verrät, dass sie ihn an seine ermordete Tochter erinnert. Sie müsste auf diesen Moment vorbereitet sein und den Spieß umdrehen. Sie müsste pokern und Alejandro jetzt endlich mal für ihre Zwecke einsetzen! Das wäre die Lösung gewesen. Schade. Ansonsten ist es ein brillant gemachter Rachethriller im Drogenmilieu mit exzellenter Filmmusik. „Sicario 2“ ist nicht der Rede wert.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 6 blaue Smileys und 1 schwarzes trauriges Gesicht für "Sicario"