Das perfekte Verbrechen (Gregory Hoblit) USA 2007

Es handelt sich hier um einen ziemlich spannenden Thriller mit hervorragenden Schauspielern und exzellenter Kameraarbeit, der ein klassisches Erzählmotiv variiert: Das Mörderische Dreieck. Genau genommen handelt es sich hier um ein Viereck, komplettiert durch den jungen, ehrgeizigen Staatsanwalt Willy Beachum (Ryan Gosling). Der Plot lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Der wohlhabende Flugzeugbauer Ted Crawford (Anthony Hopkins) erschießt seine untreue Frau, manipuliert den Tathergang und steht am Ende als freier Mann da, wenn Beachum ihm nicht doch noch auf die Schliche gekommen wäre.

Sehr schön ist die Konfiguration der Hauptfiguren, wie der durchtriebene Crawford den schnöselhaften, erfolgsverwöhnten Beachum ein ums andere Mal ärgert: „Auch eine kaputte Uhr geht zweimal am Tag richtig.“ Das Psychoduell zwischen beiden ist eigentlich das Highlight des Films. Sehr schön sind auch die dramatischen Retardierungen, zum Beispiel wenn Beachum mit einer richterlichen Verfügung zum Krankenhaus rast, um doch noch zu verhindern, dass die lebenserhaltenden Geräte von Crawfords im Koma liegender Ehefrau abgeschaltet werden. Oder wenn die Richterin den Staatsanwalt im Prozess fragt, ob er denn noch Beweismittel habe, weil sie Crawford ansonsten freilassen müsse. Beachums innerer Kampf, sich geschlagen zu geben oder fingierte Beweise zu präsentieren, wird hier fachgerecht auf die Spitze getrieben.

So recht mitzittern kann man mit den Figuren allerdings nicht. Deshalb ist „Das perfekte Verbrechen“ eigentlich auch kein Thriller. Dominant ist die Aufklärung des Tathergangs und das Psychoduell, auch wenn es sich hier nicht um ein Whodunit handelt. Korrekt wäre die Genrebezeichnung Psychokrimi – ein Rätselspiel, das an „Gone Girl“ von David Fincher erinnert. Erst ganz am Ende erfährt man in welchem Ausmaß Crawford den Mord minutiös geplant und die Beweismittel manipuliert hat. Das ist eine Überraschung, aber kein Suspense (Link) und ignoriert Alfred Hitchcocks dramaturgisches Postulat zum Informationsfluss: „Daraus folgt, dass das Publikum informiert werden muss, wann immer es möglich ist.“

Wie wäre es denn gewesen, wenn der Zuschauer gleich zu Beginn Zeuge vom Vertauschen der Tatwaffe geworden wäre? Hätte es die leidliche Spannung gemindert? Im Gegenteil. Man hätte mehr mit Beachum mitfiebern können. Da sind wir denn beim nächsten Punkt des defizitären Spannungsaufbaus. Der liegt in der schnöselhaften Figur des jungen, erfolgreichen Staatsanwalts begründet. Was steht für ihn schon auf dem Spiel, außer der Niederlage als Anklagevertreter in einem Mordprozess? Im Grunde gar nichts. Diese Niederlage ist zwar schmerzlich, zumal Crawford seine Gewinnsucht, seine Eitelkeit als Schwachpunkt ausgemacht hat. Sie ist aber nicht existenziell, genauso wenig wie sein Jobverlust bei der renommierten Kanzlei Wooton & Simms mit einhergehender Trennung von seiner zukünftigen Chefin. Überhaupt hat diese ganze Nebenhandlung inklusive Affäre überhaupt keine Handlungsrelevanz. Sie dient nur dem Umstand, ihn anfangs als nachlässigen Anwalt zu zeigen, der sich im Verlauf der Geschichte zu einem hartnäckigen Ermittler entwickelt.

Ein weiterer Schwachpunkt ist der Selbstmord von Lieutenant Nunally, des Geliebten von Crawfords Ehefrau, in den Fluren des Gerichtssaals. Ort, Zeitpunkt und Motiv sind völlig willkürlich. Eigentlich hätte er mehr Gründe gehabt, seine Waffe auf Crawford zu richten. Weitere Schwachpunkte: Hätte ein guter Staatsanwalt nicht intensiver nach dem Motiv des Tatverdächtigen forschen müssen? Das Fehlen der Tatwaffe ist zwar bedauerlich, aber doch nur ein Indiz in einer ganzen Kette. Ein handfestes Tatmotiv – hier Rache – hat doch auch juristisches Gewicht, genauso wie die Anzahl der Verdächtigen. Und in diesem Fall gab es doch nur eine Person, die zur Tatzeit am Tatort anwesend war. Die juristische Fixierung auf die fehlende Tatwaffe wirkt ein bisschen simpel. Fazit: Nicht ganz perfekt.

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