USA 2013, Länge: 129 Min., FSK: 16
Produktion: De Line Pictures, Paramount Pictures
Regie: Michael Bay
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely
Kamera: Ben Seresin
Musik: Steve Jablonsky
Montage: Joel Negron, Thomas A. Muldoon
Darsteller: Mark Wahlberg, Dwayne Johnson u.a.
Verleih: Paramount Pictures
Genre: Gangsterkomödie
Erzählmotiv: Kidnapping
Suspense: perfekt
Held(en): unterbelichtet
Gegenspieler: brutal
Stimmung: schwarzhumorig
Bewertung: 5 von 7 Sternen
Stream: Apple TV, freenet Video
Datenträger: Blu-ray, DVD
Mit „Pain & Gain“ ist Michael Bay eine rasante, rabenschwarze Gangsterkomödie gelungen. Sie ist zum einen herausragend gestaltet, zum anderen eine bitterböse Satire auf den amerikanischsten aller Träume, nämlich die Mär vom „Gain“ durch Pain“. Wenn man nicht wüsste, dass der Film auf wahren Begebenheiten beruht, würde man ihn für das Werk zugekokster Drehbuchautoren abtun. Aber die Entführung hat sich wohl so oder so ähnlich in Miami (Florida) abgespielt und war wohl nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten möglich. Die Geschichte vom Scheitern einer rücksichtslosen Jagd nach Reichtum ist eine gnadenlose Abrechnung mit den ureigensten amerikanischen Werten. Gerade in MAGA-Zeiten hochaktuell.
Die Geschichte
Irgendwie ist Bodybuilder Daniel Lugo (Mark Wahlberg) mit seinem Job als Fitnesstrainer in Miami unzufrieden. Er fühlt sich zu Höherem berufen und kommt auf die Idee, mit zwei ähnlich einfach gestrickten Kumpels einen reichen Kunden zu entführen. Nach zwei missglückten Versuchen gelingt den maskierten Gangstern schließlich die Entführung von Victor Kershaw, der zur Übertragung seiner Besitztümer erpresst werden soll. Aber das Opfer erkennt Daniel als Urheber des Kidnappings und weigert sich, auf die Forderungen einzugehen. Erst als das Trio eine härtere Gangart einschlägt, unterschreibt Victor die Verträge. Mehrere Versuche ihn anschließend umzubringen, scheitern. Victor landet schwerverletzt im Krankenhaus, wo die Polizei seiner Geschichte allerdings keinen Glauben schenkt. Derweil genießen die Gangster ihr neues Luxusleben in vollen Zügen und suchen ein neues Opfer. Das finden sie in Gestalt von Frank Griga und seiner Frau. Bei Verhandlungen über eine vorgegaukelte Geschäftsbeteiligung kommen beide allerdings ums Leben. Während das Trio damit beschäftigt ist, die Leichen zu entsorgen, kommt ihnen Privatdetektiv Ed Du Bois auf die Schliche. Schließlich werden die drei Gangster von der Polizei geschnappt, zu langen Haftstrafen oder zum Tode verurteilt.
Stärken
Für Michael Bay, der es in Blockbustern wie „Armageddon“ oder „Transformers“ gern mal krachen lässt, war „Pain & Gain“ eher ein Independent- und Herzensprojekt. Man merkt, dass er früher Werbung und Musikclips gedreht hat. Endlich mal ein Filmemacher, der sein Handwerk beherrscht. Der Film ist einfach hervorragend gestaltet. Mit rasanten Schnittfolgen, inneren Stimmen der Protagonisten, Slow-Motion und Standbildern legt er ein atemberaubendes Erzähltempo vor. Da nur die Zuschauer in die finsteren Pläne des Trios eingeweiht sind, haben wir jede Menge spannungssteigernden Suspense. Ein weiteres Plus ist die Rücksichtslosigkeit, mit der Michael Bay hier zur Werke geht: Hemmungen, Fingerspitzengefühl, Political correctness – Fehlanzeige. So ist das richtig! Die Dialoge sind rotzig, witzig, frech, nie langweilig. Die Handlung ist grell, folgerichtig ist der Film in grelle Farben getaucht.
Protagonisten
„Ich heiße Daniel Lugo und ich glaube an Fitness.“ Das ist die einfache und klare Vorstellung des Helden. Die Frage eines Motivationscoaches („Bist du ein Schwacher, oder ein Macher?“) hat bei Daniel die Wirkung eines Aufputschmittels. Klar, ab jetzt gibt’s Vollgas.
In „Pain & Gain“ haben wir einen der Fälle, in denen die Protagonisten mit den Antagonisten identisch sind. Das funktioniert. Das hat schon bei Patricia Highsmith (Tom Ripley) oder in „Nightcrawler“ (Louis Bloom) funktioniert. Die Schurken üben eben auch eine Faszination aus, der wir uns manchmal schwer entziehen können. In „Pain & Gain“ kommt noch gewinnbringend hinzu, dass es sich um sozusagen unterbelichtete Helden handelt. Das Trio ist immer wieder für ein Lacher gut und hat unsere Sympathien (bis zu einem bestimmten Punkt, s. Schwächen). Auch die übrigen Figuren, allesamt hervorragend besetzt, sind nicht die Hellsten unter der Sonne. Einzige Ausnahme ist der Privatdetektiv Ed.
Schwächen
Irgendwann geht die Naivität und Stupidität der Protagonisten nahtlos in Brutalität über, womit er an „Breaking Bad“ erinnert. Dann wird’s richtig unappetitlich. Da werden zum Beispiel abgehackte Hände auf einem Grill verbrannt und nebenbei der Nachbarin zugewunken. In diesen Momenten verliert der Film seine Figuren. Schade. Die Morde an Frank Griga und seiner Frau passen einfach nicht recht zur schwarzhumorigen Grundstimmung. Da wäre es besser gewesen, sich von der Vorlage zu entfernen. Ist ja nicht verboten. Also, Konzentration auf die Entführung von Victor. Damit haben unsere Gangster ja auch mehr als genug zu tun.
Fazit
„Ich war einer von euch“, ist Daniel Lugos Schlusswort. Zumindest einen kurzen Moment dauerte sein amerikanischer Traum. Ein gnadenloser, bitterer Abgesang auf den amerikanischen Mythos von „Pain“ & Gain“. Fast ein pures Vergnügen!



