Playtime

F/I 1967, Länge: 126 Min., FSK: 0
Deutscher Verleihtitel: Tatis herrliche Zeiten
Produktion: Specta Films, Jolly Film
Regie: Jacques Tati
Drehbuch: Jacques Lagrange, Jacques Tati
Kamera: Jean Badal, Andréas Winding
Musik: Francis Lemarque
Montage: Gérard Pollicand
Darsteller: Jacques Tati, Barbara Dennek u.a.

Genre: Science-Fiction-Slapstick
Erzählmotiv: nicht vorhanden
Suspense: nicht vorhanden
Held(en): exzellent
Gegenspieler: nicht vorhanden
Stimmung: phantasievoll, heiter
Bewertung: 5 von 7 Sternen
Stream: Apple TV, freenet Video, LaCinetek
Datenträger: DVD

Die Filme von Jacques Tati in ein Genre einzuordnen ist nicht so ganz einfach. „Playtime“ (deutscher Verleihtitel: „Tatis herrliche Zeiten“) könnte man am ehesten noch als experimentellen Science-Fiction-Slapstick bezeichnen. Alles klar? Der Film ist ein Ausflug in ein futuristisches Paris, das aus Beton, Stahl, Glas, Steinen und verstopften Straßen besteht. Es gibt keine Bäume und keine Pflanzen mehr. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt erscheinen nur in den Spiegelungen der Glasflächen. Der Film ist artifiziell im positiven Sinn. Die Zivilisationskritik kommt einerseits kafkaesk, anderseits heiter und beschwingt daher – eine französische „Modern Times“-Version. Eine unkonventionelle Kritik der Konformität.

Die Geschichte

Tati ging es eigentlich nie darum, Geschichten zu erzählen. Es sind eher aneinandergereihte Beobachtungen und Visionen. In „Playtime“ glauben wir am Anfang, uns in einem Krankenhaus zu befinden. Einer von vielen Trugschlüssen. Tatsächlich handelt es sich um ein Flughafengebäude, in dem verschiedene Reisende ankommen. Darunter auch Monsieur Hulot (Tatis alter Ego). Der versucht dann, im Zentrum Monsieur Giffard in einem Bürogebäude zu treffen. Allerdings verpassen sie sich immer wieder. Hulot streunt über eine Messe mit neuesten Produkten, besucht einen Freund in seinem Apartment, dann die Eröffnung des hypermodernen Restaurants „Royal Garden“. Dort läuft die Eröffnungsfeier ein wenig aus dem Ruder. Der harte Kern der Zecher besucht bei Morgendämmerung noch den benachbarten Drugstore, bevor es zurück zum Flughafen geht.

Stärken

Da ist zum einen die Visualität, die sich in allen Werken von Tati – so auch hier – wiederfindet. „Playtime“ benötigt keine Erklärungen oder Dialoge, um die Zuschauer einzufangen. Tati ist ein Visionär. Bereits Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts bringt er den Verkehrswahnsinn in einer einzigen Einstellung auf den Punkt: Autos, die in einem Kreisverkehr ihre Runden drehen, gleichen den Fahrzeugmodellen eines rotierenden Karussells. Außerdem spielen die Geräusche in Tatis Filmen eine große Rolle und natürlich der Slapstick. Der ist seine große Stärke. Die Pantomime und das Kabarett sind seine Wurzeln. Einfach grandios die Beobachtungen bei der Eröffnung des Restaurants, die in ein Happening ausartet. Eine dreidimensionale Komposition, bei der man auch nach mehrmaliger Betrachtung immer wieder neue originelle Details entdecken kann. 

Protagonist

Die Figur des Monsieur Hulot ist ein tollpatschiger Antiheld. Mit biederem Trenchcoat, Hut und langer Pfeife ist er in permanentem Kampf mit technischen Erneuerungen und den Tücken der Objekte verstrickt. Er wirkt wie ein aus der Zeit Gefallener, ein verwirrter Teilnehmer einer aus den Fugen geratenen Welt. Kein Wunder, dass er in all seinen Filmen isoliert und irgendwie einsam wirkt.

Schwächen

Das ist Tatis Hang zur Gigantomanie, sein Hang zum Perfektionismus. Das ist die Ironie. Im Grunde hat er in „Playtime“ das praktiziert, was er kritisiert: die Perfektion der Technik. Nach seinem Erfolg von „Mon Oncle“ hat Tati für „Playtime“ am Stadtrand von Paris eine ganze Kulissenstadt errichten lassen, um seine Visionen zu realisieren. Alles gedreht auf 70mm Filmmaterial. Das verleiht dem Film auch etwas Schwerfälliges, kein Wunder bei diesen monströsen Apparaturen. Der Film hat seine immensen Kosten nicht wieder eingespielt und Tati in die Insolvenz getrieben. Hinterher hat er nur noch zwei Projekte gedreht. „Playtime“ hat auch einigen Längen, zum Beispiel als Hulot einen Freund in dessen Apartment besucht, dass ebenerdig von außen einsehbar ist. Privaträume als Schaufenster. Diese Episode erinnert an Zbigniew Rybczynskis Experimentalfilm „Nova Ksiazka“ von 1972. 

Eigentlich war Jacques Tati mit „Playtime“ auf dem Holzweg.Seine Stärken liegen ganz woanders, in den ganz einfach angelegten Werken, wie „Tatis Schützenfest“ oder „Die Ferien des Monsieur Hulot“. Da kann sich seine geniale, humorvolle Beobachtungsgabe voll entfalten.

Fazit

Francois Truffaut: „Playtime ist mit nichts zu vergleichen, was bereits im Kino zu sehen war. Ein Film von einem anderen Planeten, wo man andere Filme dreht.“

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 5 blaue Smileys und 2 schwarze traurige Gesichter für Jacques Tatis „Playtime“.

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