Ronin

GB, USA 1998, Länge: 122 Min., FSK: 16
Produktion: United Artists u.a.
Regie: John Frankenheimer
Drehbuch: J.D. Zeik, David Mamet
Kamera: Robert Fraisse
Musik: Elia Cmiral
Montage: Anthony Gibbs
Darsteller: Robert De Niro, Jean Reno u.a.

Genre: Actionthriller
Erzählmotiv: Das große Ziel (Big Caper Movies)
Suspense: nicht vorhanden
Held(en): entwicklungsfähig
Gegenspieler: teilweise vorhanden
Stimmung: bleihaltig
Bewertung: 4 von 7 Sternen
Stream: Apple TV, freenet Video

„Ronin“ ist ein Actionthriller, der in erster Linie durch seine bleihaltigen, spannenden Verfolgungsjagden besticht. Dabei versucht eine Spezialeinheit der IRA, Gangstern einen Koffer mit brisantem Inhalt abzujagen. Der Koffer ist ein sogenannter MacGuffin, also ein Trick, der wertvollen Inhalt suggeriert, aber tatsächlich keine Rolle spielt. Bis zum Schluss des Films erfahren wir nicht, was der Koffer enthält. Spielt im Grunde ja auch keine Rolle (s. „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht“, Seite 125). Insgesamt ist der Film ein Whodunit, also ein Rätselspiel. Dazu Alfred Hitchcock: „Das Whodunit erweckt Neugier, aber ohne jede Emotion“. Genau das ist das Problem von „Ronin“:  Tiefergehende Emotionen weckt der Actionthriller nicht.

Die Geschichte

In Paris stellt die IRA eine Söldnertruppe zusammen, die aus dem ehemaligen US-Agenten Sam (Robert De Niro) und anderen Spezialisten besteht. Ziel ist es, Gangstern einen wertvollen Koffer abzujagen. Das Objekt der Begierde wird schließlich in Nizza geortet, wo es zu blutigen Schießereien und Verfolgungsjagden kommt, in deren Verlauf das IRA-Team in den Besitz des Koffers gelangt. Dabei entpuppt sich der Computerspezialist Gregor allerdings als Verräter in den eigenen Reihen. Er bringt den Koffer an sich und versucht, ihn an die Russenmafia zu verkaufen. Die Jagd geht weiter nach Arles, wo IRA-Boss Seamus den Verräter in seine Gewalt bringt. Der hat den Koffer aber inzwischen per Post nach Paris geschickt. Dort ziehen beim Showdown Russenmafia, Seamus und Gregor den Kürzeren.

Stärken

Es sind schon interessante Typen, die sich im IRA-Team unter ihrer Einsatzleiterin Deirdre versammelt haben. Man spürt, dass jeder auf seine Weise etwas zu verbergen hat. „Für wen arbeitet diese Frau?“, fragt der französische Agent Vincent. Diese Zwielichtigkeit schafft Spannung, auch wenn es eine Rätselspannung bleibt, also: Ich sehe etwas, was du nicht siehst? Dann sind die bleihaltigen Verfolgungsjagden – allesamt analog hergestellt, also ohne Computeranimation – ein Highlight des Thrillers. Immerhin kommt der Film auf 80 geschrottete Fahrzeuge. Ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz. Dann wartet „Ronin“ auch mit einigen Überraschungen auf. Computerspezialist Gregor, dem man es am wenigsten zugetraut hätte, ist der Verräter. Als dieser Russenmafioso Mikhi erpresst, knallt der ihn einfach ab und nimmt lieber den Tod seiner Freundin in Kauf. Das ist zwar brutal, aber durchaus überraschend.

Schwächen

Warum ermordet IRA-Boss Seamus den Fahrer seines Teams? Das macht eigentlich keinen Sinn. Damit bringt er doch nur den Rest seiner von ihm selbst angeheuerten Crew gegen sich auf, womit er praktisch alle gegen sich hat. Damit sind wir bei der Einsatzleiterin Deirdre. Welche Motivation hat sie, sich an diesem aussichtslosen Spiel zu beteiligen? Außerdem gab es in Nizza eine Annäherung zwischen ihr und Sam. Also ein Grund mehr sich zu wundern. Als das Team in Nizza von Gregor hintergangen wird, muss ein „Deus ex machina“ ihnen auf die Sprünge helfen. Ein externer CIA Kollege von Sam kennt Gregors Aufenthaltsort. Auch das hätte den Verdacht der verbliebenen Crewmitglieder wecken müssen, dass es sich bei Sam gar nicht um einen ehemaligen CIA-Agenten handelt. Weiter müssen bei den Schießereien haufenweise Zivilisten dran glauben. Diese Kollateralschäden sprechen nicht gerade für die Professionalität des IRA-Teams. Am Ende hat die CIA den Koffer, was eigentlich nicht beruhigend ist.

Ronin

Was dieser ganze Samurai-Zirkus im Titelvorspann soll, bleibt ebenfalls mysteriös. Ein Ronin war doch ein herrenloser, entrechteter Samurai im mittelalterlichen Japan. Das trifft aber im übertragenen Sinn weder auf Sam noch auf ein anderes Teammitglied zu. Die Reminiszenz an Melvilles „Der eiskalte Engel“ (Originaltitel: „Le Samourai“) ist schon arg bemüht.

Protagonist

Sam ist kein tauglicher Held. Er hat meist alles im Griff, ist cool und versteht seinen Job. Selbst als er einmal angeschossen wird, leitet er vom Krankenlager noch die Notoperation. Mal abgesehen davon, dass auch er auf Gregors Verrat hereinfällt, macht er keine Fehler und lädt keine Schuld auf sich. Über seine Person erfahren wir ansonsten gar nichts, absolut nichts. So können wir natürlich auch keine Gefühle für ihn entwickeln.

Lösungen

Eine Donnie-Brasco-Variante. Mal angenommen, der Film würde folgendermaßen beginnen: Eine Sitzung des britischen Geheimdienstes. Agent Sam erhält einen Spezialauftrag. Undercover-Einsatz bei einem Team der IRA, die Gangstern einen Koffer mit brisantem Inhalt abjagen will. Sein Auftrag ist es, den Coup zu vereiteln und den Koffer sicherzustellen. Dann hätten wir Suspense. Die Zuschauer wären Geheimnisträger seines doppelten Spiels. Dann könnte man – wie im Vorbild – eine private Ebene einbauen, die für Sam einen Abstecher in sein Privatleben erforderlich macht. Das wäre eine Verbotsübertretung und würde Gefahren generieren. Das würde seinen Vorgesetzten gar nicht gefallen und sollte auch innerhalb des IRA-Teams Verdacht erwecken. Erschwerend könnte hinzukommen, dass er sich im Team mit Vincent anfreundet. Also auch der drohende Verrat am Freund würde für Spannung sorgen. Diese Maßnahmen würden eine sogartige Spannung und vor allem Gefühle für die Hauptfigur hervorrufen.

Fazit

Ein leidlich spannender Actionthriller für Freunde bleihaltiger Verfolgungsjagden. Die haben es allerdings in sich.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 4 blaue Smileys und 3 schwarze traurige Gesichter für John Frankenheimers Ronin.

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