USA, D 2003, Länge: 130 Min., FSK: 12
Produktion: Universal Pictures u.a.
Regie: Alan Parker
Drehbuch: Charles Randolph
Kamera: Michael Seresin
Musik: Alex + Jake Parker
Montage: Gerry Hambling
Darsteller: Kevin Spaces, Kate Winslet u.a.
Genre: Krimidrama
Erzählmotiv: Unschuldig Beschuldigt
Suspense: nicht vorhanden
Held: Alkoholiker
Gegenspieler: nicht vorhanden
Stimmung: rätselhaft
Bewertung: 2 von 7 Sternen
Stream: nicht nötig
„Das Leben des David Gale“ ist ein lupenreiner Krimi mit tragischen Elementen, also ein Krimidrama.
Er gehört zu den schwächeren Werken von Alan Parker, der so herausragende Filme wie „Mississippi Burning“ gedreht hat. Das gutgemeinte Plädoyer gegen die Todesstrafe misslingt, weil es ein unglaubwürdiges Konstrukt ist. Es rückt die egozentrischen Interessen des Protagonisten in den Vordergrund, anstatt die Unzulänglichkeiten eines Justizsystems anzuprangern, das erwiesenermaßen in Einzelfällen die Verurteilung von Unschuldigen billigend in Kauf nimmt. Im Fall des David Gale ist Justitia hinters Licht geführt worden, aber sie hat nicht versagt.
Die Geschichte
Philosophieprofessor David Gale (Kevin Spacey) ist wegen Vergewaltigung und Mord an Constance Harraway, Leiterin der Bürgerrechtsbewegung Death Watch, zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung soll in vier Tagen in Huntsville (Texas) stattfinden. Die Journalistin Bitsey Bloom (Kate Winslet) wird beauftragt, drei Exklusiv-Interviews mit dem Todeskandidaten zu führen. Bei den Gesprächen im Gefängnis behauptet David, das Opfer eines Komplotts zu sein. Angefangen habe es mit der Falschbehauptung einer Studentin, sie vergewaltigt zu haben. Für den Vorwurf gab es keine Beweise. Die anschließende Rufmordkampagne bewirkte allerdings den Verlust seiner Professur und die Trennung von Frau und Sohn. Daraufhin ergab David sich dem Alkohhol.
Der Mord
Eines Tages wird Constance vergewaltigt und ermordet aufgefunden. Der Verdacht fällt auf David, zumal bei der Obduktion Spermaspuren von ihm gefunden werden. Bitsey erhält bei ihren Recherchen ein manipuliertes Video, das zeigt, wie Constance Suizid begeht. Das nährt in Bitsey den Verdacht, dass die krebskranke Frau ihr Ableben benutzt hat, um ein für sie amoralisches Justizsystem anzuprangern. Kurz vor der Hinrichtung gelingt es Bitsey, Beweise für ihre Theorie aufzuspüren. Doch sie kommt zu spät zum Hinrichtungsort. David ist bereits mit einer Giftspritze hingerichtet worden. Am Ende erhält sie eine Paketsendung mit dem vollständigen Film vom Suizid, auf dem auch David als Mittäter zu sehen ist. Er war also Teil der Inszenierung und im Sinne der Anklage tatsächlich unschuldig.en Mafia.
Stärken
Im Film werden viele Fragen aufgeworfen und nur sukzessive Erklärungen abgegeben. Das sorgt für Rätselspannung. Man will wissen, wie das alles zusammenhängt. Auch die vielen Zeitsprünge erfordern Aufmerksamkeit. Man muss sich schon konzentrieren, um den Überblick zu behalten. Auch das ist gut. Die ins Spiel gebrachte Deadline von vier Tagen bis zum Exitus sorgt ebenfalls für Dramatik. Des Weiteren gibt es ein starkes Erzählmotiv, nämlich „Unschuldig Beschuldigt“, dessen dramatisches Potenzial aber ignoriert wird. Das Krimidrama erinnert von der Thematik auch an „Ein wahres Verbrechen“ von Clint Eastwood oder an „Just Mercy“ von Dessin Daniel Cretton, aber ohne deren Qualitäten zu erreichen.
Schwächen
Die Rätselspannung enthält keinen Suspense: „Das Whodunit erweckt Neugier, aber ohne jede Emotion“ (Alfred Hitchcock). Das ist eines der Hauptprobleme von „Das Leben des David Gale“. Man bleibt unberührt. Das liegt auch an den Protagonisten. Wie sollen Gefühle aufkommen, wenn David sich dem Alkohol widmet, anstatt um seinen Ruf und vor allem um seinen Sohn zu kämpfen? Eine Anteilnahme wird spätestens dann unmöglich als klar wird, dass er sich aus rein egozentrischen Motiven an diesem Suizid-Konstrukt beteiligt hat. Ihm ging es nur darum, sich vor seiner Frau und seinen Kollegen reinzuwaschen, als Märtyrer dazustehen. Das Ganze ist nichts weiter als eine wehleidige Retourkutsche. Bitsey ist auch nicht viel besser. Im Grunde wird sie nur benutzt und hechelt dem Geschehen bis zum bitteren Ende stets hinterher. Für eine Anteilnahme hätte es einer aktiveren, clevereren Figur bedurft, die die Zusammenhänge rechtzeitig durchschaut und eingegriffen hätte.
Unglaubwürdigkeiten
Völlig unglaubwürdig ist die ganze Planung und Durchführung des Suizids in nur einer Nacht. Wie soll das denn funktionieren? Da sind doch vier Beteiligte mit im Boot: David, Constance, ihr Freund Dusty sowie ihr zwielichtiger Anwalt. Und die sind sich in der Kürze der Zeit alle einig, mit dieser Inszenierung zwei Menschenleben zu opfern?! Außerdem passt dieses Konstrukt überhaupt nicht zum Charakter von Constance, der einzigen sympathischen Figur in diesem Film. Dann wartet der Film mit einigen Übertreibungen auf, die irgendwann ein bisschen nerven: Ständig regnet es in Texas, ständig muss David sich einen hinter die Binde kippen. Das gipfelt dann in übertriebenem Overacting, zum Beispiel als David volltrunken an einer Telefonzelle rumtobt.
Lösungen
Schauen wir doch mal an, wie Clint Eastwood das in „Gran Torino“ gemacht hat. Da ist der Held ebenfalls unheilbar an Krebs erkrankt. Aber hier haben wir Suspense. Nur Walt Kowalski und die Zuschauer wissen von seiner tödlichen Erkrankung, die er dann am Ende zur Lösung der Geschichte einsetzt. Dann schauen wir doch mal an, wie Sam Fuller das in seinem Psychothriller „Schock-Korridor“ gemacht hat. Da gibt es einen investigativen Journalisten, der sich in eine psychiatrische Klinik einweisen lässt, um die dortigen Missstände anzuprangern. Allerdings hat er noch ein zusätzliches Motiv: Er will nämlich den Mord an einem Patienten aufklären. Kombinieren wir doch mal die Vorzüge dieser beiden Filme und nehmen mal an, dass nicht Constance, sondern David an Krebs erkrankt ist und nicht mehr lange zu leben hat. Das würde seine egozentrischen Motive in den Hintergrund rücken und die Kritik an der Todesstrafe in den Vordergrund. Zusätzlich könnte man, wie in „Schock-Korridor“, diese Inszenierung mit der Aufklärung eines Verbrechens kombinieren. Im Gefängnis könnte David nämlich im Falle eines zu Unrecht Verurteilten ermitteln, dessen Unschuld sich am Ende beweisen ließe. Dann hätten wir ein echtes Plädoyer gegen die Todesstrafe und könnten mit ihm mitfiebern, aber so …
Fazit
„Das Leben des David Gale“ schöpft sein dramatisches Potenzial nicht aus und weckt leider keine Emotionen.
