Geraubte Küsse (Francois Truffaut) F 1968

Es gibt Filme, die einem die Lebenszeit rauben und welche, die genau das Gegenteil praktizieren. Zu letzteren gehört „Geraubte Küsse“ von Francois Truffaut. Schon die ersten Musikakkorde definieren die dominante Atmosphäre des Films: Sie ist heiter und beschwingt. Dazu passt auch die Etablierung einer originellen Hauptperson, die der Film nie aus den Augen verliert. Es gibt keinen multiperspektivischen Schnickschnack, der immer auch etwas Kontraproduktives hat. Der Held ist Truffauts alter Ego Antoine Doinel, ein manchmal naiver, manchmal etwas verträumter, manchmal aufsässiger junger Mann. Mit charmanter Offenheit gibt er seine Misserfolge zu, gerät von einem Schlamassel in den anderen und fällt stets wieder auf seine Beine. Ein Stehaufmännchen. Bei diesen Verrenkungen assistieren ihm eine ganze Riege nicht minder origineller, zum Teil auch abstruser Figuren. Es macht einfach Spaß, diesem Treiben zuzuschauen. Das Detektivbüro, in dem Antoine eine Anstellung findet, ist wahrscheinlich das originellste der Filmgeschichte. Herrlich die Szene mit dem Schuhhändler, der sich von allen ungeliebt fühlt. Anstatt zum Therapeuten zu gehen, beauftragt er die Detektei mit Nachforschungen. Diesen Job vermasselt Antoine natürlich auch, weil er sich auf eine Affäre mit der Ehefrau des Schuhhändlers einlässt. Damit sind wir – wie bei Truffauts meisten Filmen – beim eigentlichen Thema: nämlich der Liebe bzw. ihren Turbulenzen, die in Antoines Beziehung zu seiner 19-jährigen Freundin Christine beschrieben werden.
Die Dialoge des Films sind witzig, originell, manchmal auch verblüffend, aber nie langweilig. Letztlich ist der Film ein Plädoyer dafür, sich im Leben auch mal treiben zu lassen, gegen Autoritäten zu rebellieren, sich selbst treu zu bleiben und vor allem die Liebe nicht aus den Augen zu verlieren. Fazit: Wer etwas Lebenszeit gewinnen möchte, dem sei dieser Film wärmstens empfohlen.

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