The Rip

USA 2026
Länge: 113 Min., FSK: 16
Produktion: Artists Equity
Drehbuch + Regie: Joe Carnahan
Kamera: Juan Miguel Azpiroz
Musik: Clinton Shorter
Montage: Kevin Hale
Darsteller: Matt Damon, Ben Affleck u.a.

Genre: Krimi
Erzählmotiv: Der Verdacht, Der Verrat
Suspense: nicht vorhanden
Held(en): misstrauisch
Gegenspieler: geld- und mordgierig
Stimmung: spannend
Bewertung: 5 von 7 Sternen
Stream: Netflix

„The Rip“ ist ein knallharter Krimi mit Thrillerelementen im Drogenmilieu, der durch seine Spannung und authentische Polizeiarbeit besticht. Kein Wunder, basiert die Geschichte doch auf Erfahrungen des Polizisten Chris Casiano, Mitglied eines Drogendezernats des Miami Police Departments. Obwohl es sich dominant um ein klassisches Whodunit handelt, also um ein Rätselspiel, zieht uns die Jagd nach den Mördern in den eigenen Reihen regelrecht in den Bann. Das liegt auch an der Variation von zwei klassischen Erzählmotiven, nämlich „Der Verrat“ und „Der Verdacht“. 

Die Geschichte

Captain Jackie Velez vom Tactical Narcotic Team (TNT) des Miami Police Department wird von maskierten Gangstern ermordet. Weil ein Verdacht gegen Mitglieder ihre eigenen Einheit besteht, leitet das FBI interne Ermittlungen ein. Der Stellvertreter der Ermordeten, Lieutenant Dane Dumars (Matt Damon), erhält einen Hinweis auf ein Versteck von Drogengeldern. Daraufhin durchsucht er zusammen mit Sergeant JD Byrne (Ben Affleck) und drei weiteren Kollegen eine verdächtige Villa, in der sie 25 Millionen Dollar aufspüren. Entgegen den Anweisungen nimmt Dumars keinen Kontakt mit seinen Vorgesetzten auf. Stattdessen sammelt er die Handys seiner Kollegen ein, die er mit der Zählung der Scheine beauftragt. Ein anonymer Anrufer fordert die Spezialeinheit auf, innerhalb von 30 Minuten die Villa zu verlassen. 

Misstrauen

Derweil wächst das Misstrauen unter den Mitgliedern des TNT. Vorsichtshalber verständigt Byrne einen Kollegen von der DEA. Nachdem draußen verdächtige Lichtzeichen zu sehen sind, eröffnen Unbekannte das Feuer auf das TNT-Team. Dumars und Byrne nehmen die Verfolgung auf und stellen einen Drogengangster. Es stellt sich jedoch heraus, dass das Kartell mit dem Überfall nichts zu tun hat. Zurück in der Villa ist die Einheit einem Brandanschlag ausgesetzt. Im letzten Moment können Dumars und Byrne in einem gepanzerten Fahrzeug des DEA entkommen. Unterwegs schöpft Byrne Verdacht gegen die Mitarbeiter des DEA. Es kommt zum Schusswechsel und Verfolgungsjagden, die mit dem Tod oder der Festnahme der Verräter enden.

Stärken

Neben der glaubhaften Polizeiarbeit thematisiert „The Rip“ eine moralische Frage: Was ist, wenn ich hier ein Bündel Geldscheine an mich nehme und mit einem Schlag mein Leben ändern könnte? Genau diese Frage erörtern die beiden weiblichen Detectives beim Geldzählen, während sie ihre alltäglichen finanziellen Sorgen auflisten. Ein verständliches Dilemma, zumal dieser Griff in die Vollen nicht weiter auffallen würde. Außerdem befeuert es das gegenseitige Misstrauen. Man weiß nicht mehr, wem man was glauben soll. Man weiß nur, dass die Täter bereit sind, über Leichen zu gehen. All das sorgt natürlich für Spannung. Vorbildlich ist auch der zusätzliche Druck, der durch den anonymen Anruf entsteht. 

Schwächen

Etwas seltsam sind diese Lichtzeichen, die aus einem nahegelegen Gebäude abgegeben werden. Das Kartell kann eigentlich nicht dahinterstecken, denn die haben nach Bekunden ihres Bosses das Geld längst abgeschrieben. Die Verräter vom DEA verfügen doch über andere Kommunikationsmittel. Egal. Gravierender ist das Fehlen von Suspense, was letztlich dafür verantwortlich ist, dass man nicht richtig mit den Protagonisten mitfiebert. Wir ahnen zwar, dass Schauspieler wie Matt Damon oder Ben Affleck nicht die Rollen von Mördern innehaben. Aber das Misstrauen überlagert eben alles, auch unsere Anteilnahme. Wer will schon seine Gefühle in geldgierige Mörder investieren? Das ist das generelle Problem mit der Rätselspannung in Whodunits: „Das Whodunit erweckt Neugier, aber ohne jede Emotion.“ (Alfred Hitchcock)

Lösungen

Interessant wäre es, mal folgendes durchzuspielen: Wir sehen Dumars und Byrne bei einem Einsatz, bei dem einer dem anderen das Leben rettet, was der andere vorher auch schon gemacht hat. Jedenfalls sind beide dicke Freunde. Und dann kommt der Hammer. Der Major eröffnet Dumars in einem vertraulichen Gespräch, dass Byrne wohl der Mörder von Captain Jackie Velez ist. Er hatte ein Verhältnis mit ihr und konnte an Informationen herankommen, von denen nur der Mörder Kenntnis hatte. Jetzt steckt Dumars in der Klemme: Einerseits muss und will er den Mord aufklären, andererseits liefert er seinen besten Freund möglicherweise damit ans Messer. Das wäre ein dramatischer Konflikt, an dem die Zuschauer Anteil nehmen könnten.

Suspense, Suspense, Suspense

Andere Möglichkeit: Beim Mord an Captain Jackie Velez in der Exposition sind die Täter nicht maskiert. Warum auch? Das macht man doch nur, wenn man nicht erkannt werden will. Tote können einen doch nicht mehr identifizieren. Jedenfalls hätte der Zuschauer dann Informationen von einer unmittelbaren tödlichen Gefahr, die unsere Protagonisten nicht haben. Na, wunderbar.

Fazit

Insgesamt ist „The Rip“ ein hervorragend gemachter Krimi im Drogenmilieu, der durch seine Spannung und Authentizität besticht.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 5 blaue Smileys und 2 schwarze traurige Gesichter für Joe Carnahans "The Rip".

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