Ein himmlischer Sünder

USA 1943
Länge: 108 Min., FSK: 12
Produktion: 20th Century Fox u.a.
Regie: Ernst Lubitsch
Drehbuch: Samson Raphaelson, Ernst Lubitsch
Kamera: Edward Cronjager
Musik: Alfred Newman
Montage: Dorothy Spencer
Darsteller: Don Ameche, Gene Tierney u.a.

Genre: Romantische Komödie
Erzählmotiv: Liebe
Suspense: teilweise vorhanden
Held: Filou
Gegenspieler: blasiert
Stimmung: beschwingt
Bewertung: 5 von 7 Sternen
Stream: nicht verfügbar
Datenträger: Blu-ray, DVD

„Ein himmlischer Sünder“ von Ernst Lubitsch ist eine seiner typischen Salonkomödien, zugleich Märchen, Liebesfilm und Tragikomödie.

Der Film wirkt in der Machart etwas angestaubt, hat aber zugleich etwas sehr Modernes. Zum einen bringt er wieder eine starke Frauenfigur ins Spiel, zum anderen attackiert er prüde Moralvorstellungen in den USA des letzten Jahrhunderts. Dabei geht Ernst Lubitsch gewohnt rücksichtslos vor. Der Film ist unkorrekt, witzig und voller Esprit.

Die Geschichte

Der verstorbene Henry van Cleve (Don Ameche) versucht in der Hölle einzuchecken. Allerdings überprüft der Empfangschef, „Seine Exzellenz“, sein Begehren und so muss Henry von seinem sündhaften Leben berichten: Er wächst als einziger Sohn einer wohlhabenden New Yorker Familie heran, die ihren Sprössling nach Strich und Faden verwöhnt. Schon im Alter von 15 Jahren lässt Henry sich von der französischen Gouvernante verführen. Später schlüpft er in die Rolle eines Playboys. Im Alter von 26 Jahren verliebt Henry sich in die hübsche Martha, die allerdings gegen ihren Willen mit seinem blasierten Cousin Albert vermählt werden soll. Als Henry sich sicher ist, dass auch sie seine Gefühle erwidert, entführt er sie kurzerhand. 

Beide heiraten kurz danach und bekommen einen Sohn. Henry ist schon 36, da nimmt Martha seine Untreue zum Anlass, sich von ihm zu trennen. Sie schlüpft bei ihren Eltern unter, wo sie auch von Albert wieder umworben wird. Henry kämpft um sie und „entführt“ sie ein weiteres Mal. Aber auch in der Folgezeit kann Henry weiblichen Versuchungen nicht widerstehen. So versucht er mit einer Freundin seines inzwischen erwachsenen Sohns anzubändeln und erhält eine Abfuhr. Das Alter hinterlässt seine Spuren. Henry leidet unter zunehmender Korpulenz, Martha unter einer Krebserkrankung, die schließlich tödlich endet. Über diesen Verlust können ihn auch letzte amouröse Abenteuer nicht hinwegtrösten. Nach dieser Beichte schickt „Seine Exzellenz“ den Schwerenöter allerdings nicht in die Hölle, sondern in ein Nebengebäude des Himmels, ganz in die Nähe von Martha.

Stärken

Auch in „Ein himmlischer Sünder“ kommt die Durchtriebenheit des Regisseurs voll zur Geltung. Lubitsch hat keine Hemmungen, mit dem Empfangschef im Vorhof zur Hölle auf spielerische Weise eine moralische Instanz zu etablieren. „Seine Exzellenz“ ist sozusagen Lubitschs alter Ego, der gängige Moralvorstellungen entlarvt und relativiert: Die tugendhafte Edna landet durch eine Falltür in der Hölle, der „Sünder“ wird in den Himmel geschickt. Das ist ebenso rücksichtslos wie phantasievoll. Die Dialoge sind pointiert, unkorrekt und witzig.

Liebesgeschichte

Per Definition ist ein Sünder eine Person, die gegen moralische, ethische oder religiöse Verbote verstößt. Damit bringt Henry alle Voraussetzungen für einen tauglichen Helden mit. Von Anfang an geht es um Täuschungen. In der Meetingszene belauscht Henry ein Telefonat zwischen Martha und ihrer Mutter, in der sie behauptet, gerade beim Friseur zu sein. Das fasziniert unseren Helden. Auch die Kontaktaufnahme in der Buchhandlung basiert auf einer Täuschung, denn Henry gibt sich kurzerhand als Mitarbeiter aus. Martha ist die Liebe seines Lebens. Daran ändern auch seine Untreue und die Krisen in seiner Ehe nichts. In seinen Versuchen, mit jüngeren Revuemädchen anzubändeln, steckt auch etwas Selbstironisches: die Angst vor dem Altern. Aber Henry und Martha bleiben bis zum Lebensende zusammen. Sehr schön ist auch die melancholische Szene in der Bibliothek, in der der gealterte Held den Ratgeber aus der Meetingszene aus dem Bücherregal holt: „How to make your husband happy?“ In diesem Moment zeigt sich das ganze Ausmaß des Verlusts seiner geliebten Frau und seine Einsamkeit.

Lubitsch-Touch

Zur Zeit des Kalten Krieges war es für Künstler in den Ostblockstaaten nicht möglich, sich frei zu äußern, schon gar nicht politisch. Sie mussten ihre Ansichten und Botschaften verklausulieren, genauso wie Ernst Lubitsch seine Anzüglichkeiten im puritanischen Amerika verpacken musste. Das ist der „Lubitsch-Touch“.

Billy Wilder erklärt ihn hier:

Schwächen

Anders als in seinen bissigen Komödien „Ninotschka“ oder „Sein oder Nichtsein“, ebenfalls von Ernst Lubitsch, fehlen hier die Gefahrenmomente. Es gibt keinen wirklichen Gegenspieler. Cousin Albert ist zu blasiert, um eine Gefahr darzustellen. Er agiert eher im Stile einer Witzfigur, genauso wie Henrys Schwiegereltern aus Kansas. 

Fazit

„Ein himmlischer Sünder“ ist eine ebenso tiefsinnige wie rotzfreche romantische Komödie. Dramaturgische Defizite tun dem Vergnügen insgesamt keinen Abbruch.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 5 blaue Smileys und 2 schwarze traurige Gesichter für Ernst Lubitschs "Ein himmlischer Sünder".

Blu-ray und DVD von „Ein himmlischer Sünder“, gebraucht bei

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