USA 1969, Länge: 145 Min., FSK: 16
Produktion: Warner Bros. – Seven Arts u.a.
Regie: Sam Peckinpah
Drehbuch: Sam Peckinpah, Walon Green
Kamera: Lucien Ballard
Musik: Jerry Fielding
Montage: Louis Lombardo
Darsteller: William Holden, Ernest Borgnine u.a.
Genre: Western
Erzählmotiv: Gier
Suspense: teilweise vorhanden
Held(en): gierig
Gegenspieler: gierig
Stimmung: bleihaltig
Bewertung: 2 von 7 Sternen
Stream: nicht nötig
„The Wild Bunch“ ist ein handwerklich teilweise gut gemachter Western, der sich an Gewaltexzessen ergötzt und viel zu lang ist (Director’s Cut).
Des Weiteren bringt er ein ganzes Bataillon von unterbelichteten Protagonisten ins Spiel, die eine Anteilnahme vereiteln. Auch wenn man dem Film seine Entstehungszeit zugute halten kann, wirkt heute vieles angestaubt oder unfreiwillig komisch. Die Story als wirr zu bezeichnen, ist eigentlich noch untertrieben.
Die Geschichte
Outlaw Pike Bishop (William Holden) überfällt mit seiner Bande die Kasse einer Eisenbahngesellschaft, wobei sie in einen Hinterhalt von Kopfgeldjägern geraten. Es kommt zu einer wilden Schießerei, bei der auch etliche Zivilisten getötet werden. Pike flieht mit seiner Gang über die Grenze nach Mexiko, verfolgt von Kopfgeldjäger Deke Thornton und einigen zwielichtigen Gestalten. Da die Beute sich als wertlos entpuppt, suchen Pike und seine Leute nach neuen Einnahmequellen. Sie lassen sich vom mexikanischen General Mapache anheuern, einen Waffentransport der US-Armee zu überfallen. Eine abgezweigte Kiste mit Gewehren für aufständische Indios führt aber zum Streit mit dem General, der ein mexikanisches Bandenmitglied festnehmen und foltern lässt. Im Showdown versuchen Pike und seine Kumpane, ihren Freund zu befreien. Dabei richten sie ein Massaker an, das keiner der Kontrahenten überlebt.
Stärken
Die Exposition ist sehr schön parallelmontiert, hervorragend inszeniert und fotografiert. Überhaupt gibt es immer wieder eindrucksvolle Nahaufnahmen. Alle Figuren sind sehr gut besetzt. Es gibt keine Guten und das ist eigentlich gut so. Aber dann …
Schwächen
Pike und seine Bande sind nicht die hellsten unter der Sonne. Wenn man schon einen Überfall am helllichten Tag auf ein Eisenbahndepot in einer belebten Stadt vornimmt, könnte man zumindest mal vorher die Lage checken. Dann hätte den Kundschaftern die zahlreichen, ebenfalls nicht sonderlich geschickten Kopfgeldjäger auf den Dächern der angrenzenden Häuser auffallen müssen. Eigentlich ein Alarmsignal. So erweckt die Bande den Eindruck einer Todessehnsucht, was ja dann auch das finale Massaker bestätigt. Beim Showdown wäre es doch weitaus cleverer gewesen, mitten in der Nacht, als alle betrunken sind, ihren Freund zu befreien, anstatt sich mit mexikanischen Mädchen zu vergnügen. Aber da sind einem diese „Helden“ auch längst egal. Äußerst merkwürdig ist ferner, dass sie ständig frisch rasiert sind, selbst nach tagelangen Ritten durch die Wildnis. Auch in diesem Punkt hätte Peckinpah sich mehr an den zeitgleich entstandenen Italo-Western orientieren sollen.
Unfreiwillige Komik
Das Frauenbild, das „The Wild Bunch“ vermittelt, ist schon nicht mehr fragwürdig, sondern daneben. Frauen sind hier stets materiell orientiert und gefügig, einer Orgie nie abgeneigt oder Gegenstand dreckiger Witze. Das kann man dann auch nicht mehr mit dem Herstellungsjahr entschuldigen. Richtig lustig wird es dann bei Szenen des mexikanischen Bürgerkriegs. Untermalt von Gesängen und folkloristischen Darbietungen(!) lassen Mapaches Truppen sich von Pancho Villas Armee niedermetzeln. Das ficht unseren General aber nicht an, im Hauptquartier erstmal die nächste Orgie mit reichlich Tequila einzuläuten. Ach, wie lustig ist doch der Bürgerkrieg.
Gewalt
Mit seiner expliziten Darstellung von in die Länge gedehnten Grausamkeiten will Peckinpah provozieren und schockieren. Aber alles bleibt plakativ. Alles bleibt an der Oberfläche. Er steigt nicht in die Befindlichkeiten und Empfindungen seiner Charaktere ein. Es entsteht keine Anteilnahme, sondern Abscheu und Widerwillen. Diese Szenen sind auch eine Domestizierung des Zuschauers, eine Attacke auf die Phantasie. Nichts spielt sich in seinem Kopf ab, sondern vor seinem Kopf. Ein einziges Mal, ganz am Ende, setzt Thornton sich auf den Boden und wartet den Wegritt seiner Kopfgeldjäger ab. Während die Kamera auf ihm verweilt, hören wir in der Ferne Gewehrsalven. Wir ahnen, dass seine Leute Opfer herannahender Soldaten oder Indios geworden sind. Zum ersten Mal wird in „The Wild Bunch“ bei einer Gewalttat unsere Vorstellungskraft beansprucht. Leider das einzige Mal.
Sadismus
Besonders widerwärtig ist eine Szene in der Exposition, in der spielende Kinder sich am Quälen von Ameisen und Skorpionen ergötzen, bis sie die wehrlosen Tiere anzünden. Was soll uns diese Szene sagen? Soll sie den Sadismus der Erwachsenen erklären? Ist sie ein metaphorisches politisches Statement? Schließlich sind es Gringo-Kinder, die hier andere quälen, während die Indio-Kinder in den mexikanischen Dörfern eher neugierig das verbrecherische Treiben der Erwachsenen um sie herum anschauen?
Fazit
Ein überflüssiges Machwerk.
