Gone Baby Gone

USA 2007, Länge: 114 Min., FSK: 16
Roman: Denis Lehane
Produktion: Miramax u.a.
Regie: Ben Affleck
Drehbuch: Ben Affleck, Aaron Stockard
Kamera: John Toll
Musik: Harry Gregson-Williams
Montage: William Goldenberg
Darsteller: Casey Affleck, Morgan Freeman u.a.

Genre: Krimidrama
Erzählmotiv: Das Versprechen, Kidnapping
Suspense: nicht vorhanden
Held: hartnäckig
Gegenspieler: gehen über Leichen
Stimmung: beklemmend
Bewertung: 5 von 7 Sternen
Stream: nicht verfügbar
Datenträger: Blu-ray, DVD

In „Gone Baby Gone“, der auf dem gleichnamigen Roman von Denis Lehane beruht, geht es um die Aufklärung des Verschwindens der 4-jährigen Amanda. Demzufolge handelt es sich um einen lupenreinen Krimi mit eingestreuten dramatischen Elementen, also um ein Krimidrama.

Auch ein Whodunit, das immerhin mit zwei klassischen Erzählmotiven aufwartet, nämlich „Das Versprechen“ und – wie erst später deutlich wird –  „Kidnapping“. Damit erinnert der Krimi auch an den genialen „Es geschah am helllichten Tag“ von Ladislao Vajda, in Kooperation mit Friedrich Dürrenmatt. Schlichtweg atemberaubend in „Gone Baby Gone“ ist die Besetzung sämtlicher Haupt- und Nebenrollen, die Ausstattung, die Kostüme, die Requisiten sowie die Dialoge. Teilweise kommt man sich vor wie in einem Dokumentarfilm, der eine unglaubliche Nähe zu seinen Protagonisten herstellt. Das funktioniert nur mit gegenseitigem Vertrauen und erfordert viel Zeit. An diesen Stellen merkt man, dass Regisseur Ben Affleck am Drehort, einem Arbeiterviertel von Boston, aufgewachsen ist. Er ist einer von ihnen, ein Junge aus Dorchester, genauso wie Autor Denis Lehane.

Die Geschichte

Der junge Privatdetektiv Patrick Kenzie und seine Partnerin Angela Gennaro erhalten den Auftrag, der verschwundenen 4-jährigen Amanda McCready nachzuspüren. Die ermittelnden Kripobeamten unter Leitung von Captain Jack Doyle sind wenig begeistert. Erst als sich eine Spur zum Drogenhändler Cheese auftut, der Amanda entführt haben soll, um unterschlagene Drogengelder zurückzubekommen, kooperieren sie mit den Privatdetektiven. Scheinbar. Tatsächlich fingieren sie bei einer nächtlichen Lösegeldübergabe Amandas Ableben und erschießen den Drogenhändler. Nach und nach kommt Patrick einem Komplott auf die Spur: Amanda wurde von Captain Doyle und seinen Detectives entführt, um der Kleinen ein besseres Leben zu ermöglichen. Im Gegensatz zu seiner Partnerin hält Patrick diesen Eingriff für moralisch verwerflich und alarmiert die Behörden. Doyle wird verhaftet und Amanda wieder zu ihrer alleinerziehenden Mutter gebracht.

Stärken

Sehr schön ist die Etablierung eines Erzählers, der uns auf auf das Leben und die Menschen im Ghetto einführt: „Diese Stadt kann ganz schön hart sein.“ Auch wenn es sich in „Gone Baby Gone“ um ein Rätselspiel handelt („Das Whodunit erweckt Neugier, aber ohne jede Emotion.“ Alfred Hitchcock), sorgen etliche Überraschungen und die Lösung des Falls für Spannung. Das liegt auch daran, dass Patrick sich auf gefährliches Terrain wagt und nicht nur bei seinen Verhandlungen mit dem Drogengangster in höchste Gefahr gerät. Denn Gut und Böse sind hier nicht eindeutig auseinander zu halten. Im Grunde geht von den Cops eine noch größere Gefahr aus. Sehr schön ist auch der finale Konflikt für Patrick: Soll er Amanda beim Captain lassen oder nicht? Gerade weil die Kleine sich dort offensichtlich wohlfühlt und seine Partnerin sich auf die Seite der Entführer schlägt, kann die Entscheidung kaum schwerer sein. Dramaturgisch perfekt.

Schwächen

Ein bisschen verwirrend ist die ganze Gangstergeschichte mit Cheese, Ray und Chris sowie den 125.000 Dollar. Dieses Rätselspiel wird nicht wirklich gelöst. Der vorgetäuschte Überfall von Detective Remy mit der Maske, als Amandas Onkel in einer Bar Internas der Entführung preisgibt, ist schon ein bisschen kurios. Zum einen kann man ihn trotz Maske identifizieren, zum anderen kommt sein Versuch, redselige Mitwisser auszuschalten, viel zu spät. Überhaupt ist die ganze Entführung zum Wohle eines vernachlässigten Kindes ein bisschen konstruiert und auch nicht zu Ende gedacht. Spätestens bei Amandas Einschulung müsste Captain Doyle doch eine Geburtsurkunde vorlegen. Und dann?

Filmkritik

In der Filmkritik wird „Gone Baby Gone“ „thematische Überfrachtung“ und „angestrengte Thesenhaftigkeit“ vorgeworfen. Aber was spricht denn gegen einen Austausch konträrer Meinungen, die ja auf beiden Seiten nicht an den Haaren herbeigezogen sind? Immerhin geht es hier um das Wohl eines Kindes. Thesen und Antithesen haben ja Fundament. Vielleicht haben Angela und der Captain ja recht? Wer weiß das schon? Ohne diesen Diskurs hätten die selben Kritiker dem Film wahrscheinlich Oberflächlichkeit und mangelnde Tiefe vorgeworfen? In jedem Fall regt der Film zum Nachdenken an.

Fazit

„Gone Baby Gone“ ist wahrlich „kein Kinderspiel“, worauf der Untertitel richtigerweise hinweist. Er serviert uns auch kein billiges Happy End, was ja, angesichts der Rückkehr der 4-jährigen Amanda in die Arme ihrer Mutter, hätte sein können. Nein, so einfach macht der Film es seinen Protagonisten und uns nicht. Am Schluss wird Patrick von der überforderten Mutter als Babysitter eingespannt. Das ist die Ironie: Er hat in moralischer Hinsicht richtig gehandelt, wofür ihm das Leben nun gewissermaßen den Mittelfinger rausstreckt.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 5 blaue Smileys und 2 schwarze traurige Gesichter für Ben Afflecks "Gone Baby Gone".

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