The Life of Chuck

USA 2024, Länge: 111 Min., FSK: 12
Produktion: Red Room Pictures u.a.
Drehbuch + Regie: Mike Flanagan
Kamera: Eben Bolter
Musik: The Newton Brothers
Montage: Mike Flanagan
Darsteller: Tom Hiddleston u.a.
Verleih: Tobis Film

Genre: Mystery-Science-Fiction
Erzählmotiv: nicht vorhanden
Suspense: nicht vorhanden
Held: begnadeter Tänzer
Gegenspieler: nicht vorhanden
Stimmung: mysteriös
Bewertung: 2 von 7 Sternen
Stream: nicht nötig

„The Life of Chuck“ ist ein Mystery-Science-Fiction, der – angeordnet wie ein Puzzle – eine Kurzgeschichte von Stephen King adaptiert.

Die Stärken des Vielschreibers zeigen sich allerdings weniger in seinen Geschichten mit surrealen oder paranormalen Elementen, sondern in der Dramatisierung von alltäglichen Problemen seiner Protagonisten (s. „Misery“, „Die Verurteilten“, „Stand by me“ oder „Dolores Claiborne“). Dieser Alltag ist nämlich in allen aufgelisteten Beispielen mysteriös genug, spannend allemal. Das Problem von „The Life of Chuck“ ist, dass er keine Geschichte erzählt. Es sind rückwärts montierte Lebensschnipsel, die teilweise einen Eigenwert haben, aber letztlich nicht für eine Verfilmung geeignet sind.

Inhalt

Das Ende: Los Angeles. Ein Erdbeben lässt die Welt aus den Fugen geraten, während überall rätselhafte Werbung auftaucht, die einem gewissen Chuck für 39 wunderbare Jahre danken. Doch niemand kennt diesen Chuck, obwohl sein Name mit dem Ende der Welt verbunden scheint. Tatsächlich ist es Chucks Ende, das aus seiner Perspektive erzählt wird. Im mittleren Teil des Films sieht man den Buchhalter Chuck als Erwachsenen auf der Straße. Er lässt sich von einer Straßenmusikerin zu einem Tanz inspirieren, der alle Zuschauer in seinen Bann zieht. Der letzte Teil zeigt Chucks Kindheit, die er bei seinen Großeltern verbringt. Während seine Großmutter ihm die Liebe zum Tanzen näherbringt, vermittelt sein Großvater ihm die Faszination für Zahlen und das Universum. Im Dachgeschoss des Hauses existiert ein mysteriöses, stets verschlossenes Zimmer, das Chuck auf keinen Fall betreten darf. Erst nach dem Tode seiner Großeltern schaut er in das verbotene Zimmer und dort auf sein eigenes Leben.

Stärken

Es gibt ein paar Szenen mit hohem Eigenwert. Natürlich die Tanzszene auf der Straße im 2. Akt, die nicht nur die Passanten fasziniert. Sehr schön ist auch die Szene beim Abtanzball, als der 13-jährige Chuck sich zunächst ziert, mit seiner Partnerin die Tanzfläche zu betreten. Überhaupt ist der Film bis in seine Nebenrollen sehr gut besetzt. Hin und wieder gibt es originelle Gespräche – Momente, die das Leben ausmachen. Sehr schön ist auch der etablierte Erzähler, der das Geschehen häufig ironisch ergänzt oder konterkariert. Ach ja, dann hat der Film teilweise noch eine lebensbejahende Grundstimmung. Auch das gehört zu seinen Vorzügen.

Schwächen

Eigentlich wird hier der Lebensweg eines begnadeten Tänzers aufgezeigt, der sein Talent zu Ungunsten eines sicherheitsorientierten Berufes ignoriert. Auch wenn Chuck in seinem Job als Buchhalter nicht unglücklich wirkt, ist seine Entscheidung eigentlich ziemlich traurig. Sie entspricht den gesellschaftlichen Normen: Geld geht vor Kunst. Dabei ist gerade der Spielfilm prädestiniert, Verhältnisse mal auf den Kopf zu stellen, eine Art Gegenpropaganda zu betreiben. In vielen seiner Filme plädiert Woody Allen zum Beispiel für künstlerische Tätigkeiten als Alternative zu sicherheitsorientierten, häufig auch entfremdeten oder sinnentleerten Jobs. Des Weiteren bietet die nicht-chronologische Erzählweise keinen erkennbaren erzählerischen Mehrwert. Firlefanz. Insgesamt dominiert der Wirrwarr.

Fazit

Und was soll das Ganze? Was wollen uns die Autoren jetzt sagen? Grundgedanke für den Film könnte das zitierte Gedicht  „Gesang von mir selbst“ von Walter Whitman gewesen sein. Jedenfalls wird der Satz – „Wenn ein Mensch stirbt, stirbt ein ganzer Kosmos“ – mehrfach erwähnt. Das ist ja alles schön und gut und kann ja auch Grundlage für eine Gedichtinterpretation sein, aber doch nicht für eine abendfüllende Erzählung.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 2 blaue Smileys und 5 schwarze traurige Gesichter für "The Life of Chuck".

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