Toy Boy

USA 2009
Länge: 93 Min., FSK: 16
Produktion: Barbarian Films u.a.
Regie: David MacKenzie
Drehbuch: Jason Dean Hall, Paul Kolsby
Kamera: Steven B. Poster
Musik: John C. Swihart
Montage: Nicholas Erasmus
Darsteller: Ashton Kutcher, Anne Heche u.a.

Genre: Tragikomödie
Erzählmotiv: Liebesdreieck
Suspense: nicht vorhanden
Held(en): Frauenheld
Gegenspieler: Frauen
Stimmung: amourös
Bewertung: 5 von 7 Sternen
Stream: nicht verfügbar
Datenträger: DVD

„Toy Boy“ ist eine amouröse Tragikomödie mit satirischen und erotischen Elementen. Für einen US-amerikanischen Spielfilm ziemlich freizügig, aber David MacKenzie („Hell or High Water“) ist ja auch Brite. Erzählt wird eine ganz einfache Geschichte, die sich voll und ganz auf seinen Helden konzentriert, den attraktiven „Toy Boy“ Nikki (Ashton Kutcher). Die Fokussierung ist nur einer ihrer Vorzüge. Eigentlich handelt es sich um eine Dreiecksgeschichte. Von weiblicher Seite sind die wohlhabende Anwältin Samantha (Anne Heche) und die Kellnerin Heather (Margarita Levieva) mit im Spiel. Behandelt werden existenzielle Fragen: Karriereplanung? Das Streben nach Geld und materiellem Wohlstand? Sex? Liebe? Wie werden Entscheidungen beeinflusst und getroffen?

Die Geschichte

Los Angeles. Auf einer Party spricht der attraktive Nikki die wohlhabende Anwältin Samantha an. Nach einer gemeinsamen Nacht nistet er sich bei ihr ein, während sie arbeiten geht. Längere Abwesenheiten nutzt er für ausschweifende Poolpartys oder zu Liebesabenteuern. Nur die attraktive Kellnerin Heather zeigt ihm die kalte Schulter. Nach einem Streit mit Samantha verlässt Nikki ihr Luxusapartment. Vergeblich sucht er Unterschlupf bei Freunden oder Bekannten. Nachdem er zufällig Heather wieder begegnet, freundet er sich mit ihr an. Zu seinem Erstaunen stellt er fest, dass sie sich genauso von Männern aushalten lässt wie er vom weiblichen Geschlecht. Zum ersten Mal in seinem Leben verliebt Nikki sich ernsthaft in eine Frau. Doch Heather ist bereits verlobt und kehrt nach New York zurück. Nikki folgt ihr, um sie umzustimmen, aber Heather entscheidet sich gegen ihre Gefühle für ihn und für die Ehe mit einem reichen Mann. Nikki kehrt nach L.A. zurück, schlüpft bei seinem Kumpel Harry und und nimmt einen Fahrerjob bei einem Lieferservice an.

Protagonist

Nikki charakterisiert sich selbst folgendermaßen: „Ich will ja nicht arrogant sein aber ich bin ein verdammt attraktiver Mann“. Die sofort eingeführte innere Stimme des Helden stellt eine Nähe zu seiner Befindlichkeit her. Die Konzentration auf seine Person zeigt sich auch daran, dass er praktisch in jeder Einstellung präsent ist. Nikki ist nicht nur ansehnlich, er ist auch immer zu sehen. Dabei gibt er eine ziemlich ambivalente Figur ab: Einerseits arrogant, unzuverlässig, oberflächlich, beziehungsunfähig, nicht alltagstauglich, nie um eine Ausrede verlegen, andererseits ist er witzig, hat etwas Kindliches und Verspieltes und zeigt sich auch empfindsam und entwicklungsfähig. Einerseits nutzt er Frauen schamlos aus, andererseits ist er nie grob zu ihnen, kann manchmal auch richtig zärtlich sein. Einmal empört er sich nach einem Besuch im Stripclub bei seinem besten Freund Harry: „So kann man eine Frau doch nicht behandeln!“ 

Frauen

Bei der Kontaktaufnahme mit Frauen gibt es für den „Toy Boy“ nur einen Anmachspruch: „Wie heißt du?“ Das signalisiert Interesse am Gegenüber, auch wenn es für Nikki dabei in erster Linie um Grundbedürfnisse wie Sex, ein Dach über dem Kopf und Essen geht. Aber die gesellschaftlichen Stellung würde er bei der Kontaktaufnahme nie ausloten. Die identifiziert er so. Also ein „Was machst du so?“ ist nicht sein Ding. Im Grunde ist Nikki ein Hallodri, ein Nichtsnutz, der keinen wirklichen Plan hat und sich treiben lässt. Damit verkörpert er eine Art Gegenmodell zu gesellschaftlichen Normen: Ausbildung, Karriere, Geldmachen. Das interessiert ihn alles nicht. In gewisser Hinsicht ist Nikki also auch ein Rebell – jedenfalls eine interessante Figur, die man so schnell nicht vergisst.

Dramaturgie

Es gibt einige Überraschungen und Wendungen. Nach einem Streit will Samantha ihn schon aus ihrem Luxusapartment werfen. Aber Nikki kann sie mit seinem Charme wieder umstimmen, um dann selbst das Feld zu räumen. Schließlich hat er noch ein bisschen Ehrgefühl. Das bringt ihn aber erst richtig in Schwierigkeiten. Seine Versuche, bei Freunden unterzuschlüpfen scheitern. Selbst seine Mutter will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Dieser Moment totaler Einsamkeit ist sehr schön retardiert. Nikki hängt praktisch auf der Straße. Die zufällige Wiederbegegnung mit Heather ist natürlich ein dramaturgischer Schwachpunkt. Sehr schön ist aber dann die Entwicklung ihrer Liebesbeziehung, die ihn nach und nach wieder in die Spur bringt. Sehr schön ist auch die Ironie, die diese Liaison am Ende in petto hat: Als Nikki endlich bereit ist, Verbindlichkeiten einzugehen, verliert er Heather. Das ist das Drama. Sie scheint ihre Gefühle zu verraten und ihr Bedürfnis nach materieller Sicherheit zu priorisieren: „Ich brauch das hier“. Aber vielleicht ist Heather auch nur klug und vorausschauend? Sie weiß, dass Nikki ein Träumer ist und im Überlebenskampf ihre Gefühle auf der Strecke bleiben könnten. Also genauso wie Francesca in „Die Brücken am Fluss“ sich gegen die Liebe ihres Lebens entscheidet.

Fazit

Auch wenn am Ende von „Toy Boy“ jeder der Protagonisten mehr oder weniger alleine bleibt, hat der Film eine schöne Grundstimmung, wozu auch die Filmmusik ihren Beitrag leistet. Außerdem gibt es Hoffnung, denn es sieht so aus, dass Nikki langsam erwachsen wird. Zum ersten Mal in seinem Leben hat der Taugenichts einen Brotjob angenommen. Außerdem hält Kumpel Harry zu ihm, der ihm Unterschlupf gewährt. Scheint so, dass Männerfreundschaften in Nikkis Leben mehr Bestand haben als seine Beziehungen zu den Frauen.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 5 blaue Smileys und 2 schwarze traurige Gesichter für David MacKenzies "Toy Boy".

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