Two Lovers

USA 1988, Länge: 127 Min., FSK: 16
Produktion: 2929 Productions u.a.
Regie: James Gray
Drehbuch: James Gray, Ric Menello
Kamera: Joaquin Baca-Asay
Musik: Dana Sano
Montage: John Axelrad
Darsteller: Joaquín Phoenix, Gwyneth Paltrow u.a.

Genre: Melodrama
Erzählmotiv: Die unmögliche Liebe
Suspense: teilweise
Held: faszinierend
Gegenspieler: reich
Stimmung: fesselnd und witzig
Bewertung: 6 von 7 Sternen
Stream: Apple TV, Videobuster

„Two Lovers“ ist ein ganz auf seine Geschichte und Protagonisten konzentriertes Melodrama mit Happy End. Ein kleines Meisterwerk!

Der Film hat auch ein klassisches Erzählmotiv, nämlich „Die unmögliche Liebe“ (s.a. „Romeo und Julia“). Er hat Suspense, Humor und ist in jeder Sekunde unterhaltsam. Dafür sorgt auch ein Ensemble von herausragenden Schauspielern. 

Die Geschichte

New York. Leonard (Joaquín Phoenix) ist ein labiler Mittdreißiger, der noch bei seinen Eltern lebt. Anfangs begeht er einen eher halbherzigen Selbstmordversuch. Offensichtlich nicht sein erster. Aufmunterungsversuche seiner Eltern gipfeln in einem Verkupplungsversuch mit Sandra, der Tochter eines Geschäftspartners von Leonards Vater. Aber Leonards Interesse gilt der neuen Nachbarin Michelle (Gwyneth Paltrow), die unglücklich in den älteren, wohlhabenden und verheirateten Ronald verliebt ist. Aber Leonard hilft Michelle ein ums andere Mal und die beiden freunden sich an, während er sich zeitgleich auf eine Affäre mit Sandra einlässt. Erst als Leonard seiner Angebetenen bei einer Fehlgeburt zur Seite steht, kommen beide sich näher und beschließen, Hals über Kopf zu fliehen. Doch bevor es dazu kommt, verlässt Ronald seine Familie und entscheidet sich für Michelle, die daraufhin das Verhältnis mit Leonard beendet. Der will im ersten Moment erneut seinem Leben ein Ende bereiten, begibt sich dann aber in Sandras Arme.

Stärken

Die Professionalität von Filmemachern kann man im Grunde an der Ausstattung ablesen. Die ist in „Two Lovers“ einfach exzellent. Da stimmt jedes Detail. Genauso stimmig ist die Konzentration auf die Vierecksgeschichte. Da gibt es keinen Schnickschnack. Nichts Überflüssiges. Leonard ist in jeder Einstellung präsent. So wird eine intensive Nähe zum Protagonisten hergestellt. Ein skurriler und faszinierender Held, den man so schnell nicht vergessen wird mit seinen Sehnsüchten, Sorgen, Ängsten, seiner Einsamkeit, seinen Fluchtgedanken. „Two Lovers“ ist auch eine Stippvisite in ein interessantes Milieu. Sowohl Leonards als auch Sandras Vater sind kleine Selbständige mit jüdischen Wurzeln, die sich im Großstadtdschungel durchschlagen und sich gegenseitig unterstützen. Ein weiterer Vorzug dieses Melodramas ist auch seine Visualität. Wenn Leonard seine Nachbarin von seinem Zimmer aus beobachtet, erinnert es an Hitchcocks „Fenster zum Hof“. Sehr schön ist auch die Szene, wie Leonard an Michelles Krankenbett sitzt und etwas mit seinem Finger auf ihren Unterarm schreiben soll, so wie sie es früher immer mit ihrer Großmutter gespielt hat. Leonard hinterlässt natürlich ein „I love you“ auf ihrer Haut.

Wendungen

„Two Lovers“ spielt mit den Erwartungshaltungen des Zuschauers. Der wird nämlich ein ums andere Mal in die Irre geführt und das ist gut so. Könnte ja sonst langweilig werden. Vor allem das Ende hat es in sich. Dass Ronald sich für Michelle und gegen seine Familie entscheidet, ist schon eine Überraschung. Hätte ihm wohl kaum jemand zugetraut. Auch dass Leonard sich anschließend nicht wieder in die Fluten stürzt, sondern in Sandras Arme, ist alles andere als vorhersehbar. Aber ein sehr schönes Ende. Eine Hommage an das Leben!

Schwächen

Nach seinem halbherzigen Suizidversuch zu Beginn des Films ist Leonard ziemlich schnell wieder zu Scherzen aufgelegt. Bei einem Abendessen zeigt er Sandras Bruder einen Zaubertrick. Da fragt man sich schon, wie das mit seiner inneren Verfassung zusammenpasst? Man fragt sich auch, was die attraktive Sandra, die ja nach eigenen Bekunden etliche Bewerber hat, an dem psychisch labilen Leonard findet? Das hätte man ein bisschen transparenter gestalten können.

Fazit

Die Tatsache, dass „Two Lovers“ in Deutschland noch nicht ein mal in die Kinos gekommen ist, nährt den Verdacht, dass man die besten Filme nur schwer zu sehen bekommt. Aber das könnte man ja nachholen. Absolut empfehlenswert!

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 6 blaue Smileys und 1 schwarzes trauriges Gesicht für James Grays "Two Lovers".

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