You, Me & Italy

USA 2026, Länge: 105 Min., FSK: 12
Produktion: Will Packer Productions u.a.
Regie: Kat Coiro
Drehbuch: Ryan Engle
Kamera: Danny Ruhlmann
Musik: John Debney
Montage: Troy Takaki
Darsteller: Halle Bailey, Regé-Jean Page u.a.

Genre: Romantische Komödie
Erzählmotiv: Liebe
Suspense: teilweise vorhanden
Held(en): Abziehbilder
Gegenspieler: nicht vorhanden
Stimmung: schnulzig
Bewertung: 2 von 7 Sternen
Stream: nicht nötig

„You, Me & Italy“ wirkt wie ein vom toskanischen Tourismus- und Gastroverband in Auftrag gegebener, zu lang geratener Werbefilm.

Die verlogene Schmonzette strengt sich an, ja kein Italien-/Toskana-Klischee auszulassen. Das gelingt ihr auch, im Gegensatz zur Etablierung interessanter Figuren oder zum Aufbau von Spannung. Man kommt eigentlich nur über die Runden, weil man nicht so recht glauben will, dass – mit einer einzigen Ausnahme – alles derart vorhersehbar ist. Darüberhinaus gibt es viel toskanische Sonne, mehr oder weniger attraktive Menschen in idyllischen Landschaften und Steinhäusern, die sich mit regionalen kulinarischen Spezialitäten verköstigen: La Dolce Vita – was willst du mehr?

Die Geschichte

New York. Housesitterin Anna verliert Job und Wohnung. In einer Hotelbar trifft sie zufällig den italienischen Makler Matteo, der aus einem Dorf in der Toskana stammt, wo er eine Villa besitzt und seine Eltern ein Restaurant. Einer Eingebung folgend begibt Anna sich nach Italien in das Dorf, aus dem Matteo stammt. Dort gibt es aber keine Übernachtungsplätze mehr. Deshalb verschafft Anna sich Zugang zu Matteos Villa, wo sie am nächsten Tag aber von seiner Familie entdeckt wird. In ihrer Not gibt Anna sich als Matteos Verlobte aus. Beweis: der Zweitschlüssel zur Villa und ein Verlobungsring, den sie am Finger trägt. Die Familie freut sich, zumal der verlorene Sohn wohl nun zurückkehren und endlich heiraten wird. Nur Cousin Michael, der das familieneigene Weingut betreut und sich nach und nach in Anna verliebt, kann auf Matteos Rückkehr gern verzichten. Der steht aber irgendwann unvermittelt auf der Matte und will den ganzen Schwindel auffliegen lassen. Davon nimmt er schnell wieder Abstand, als er sieht, dass angesichts seiner vermeintlichen Heiratspläne – vor allem von seinen Eltern – keine Vorwürfe mehr auftauchen. Am Ende kommt es zum Eklat zwischen Matteo und Michael, in dessen Verlauf die Lüge auffliegt. Am nächsten Tag will Anna das Dorf verlassen, aber die Familie kann sie zum Bleiben überreden, zumal Michael in den Weinbergen auf sie wartet.

Aschenputtel

Armes, wohnungsloses Mädchen trifft zufällig in New Yorker Hotelbar wohlhabenden italienischen Makler mit Villa in der Toskana. Selbst aus dieser kitschigen Ausgangssituation hätte man Spannung generieren können, wenn – ja, wenn – die Filmemacher das Grimmsche Märchen genauer studiert hätten. Denn dort gibt es eine böse, böse Stiefmutter und nicht minder niederträchtige Stiefschwestern, die der Heldin das Leben vermiesen. So ist das richtig. In „You, Me & Italy“ ist leider von solchen Antagonisten weit und breit nichts zu sehen. Die Schwiegeroma in spe schaut Anna zwar immer finster an, das war’s dann aber. Im Gegenteil. Am Schluss ist es die Oma, die Anna in die Familie zurückholt. Konkurrentin Isabella erfüllt ebenfalls nicht die Funktion einer Schurkin. Dafür hätte sie Michael begehren müssen. Tut sie aber nicht. Sie will Matteo zurück. Na, dann ist doch alles supi, kann man da nur sagen. Leider auch antidramatisch.

Figuren

Pummelchen Anna hadert mit ihrem beruflichen und privaten Dasein und mäandert mehr oder weniger orientierungslos durchs Leben. Die signifikanteste Eigenschaft vom ständig grinsenden Pseudowinzer Michael ist seine Attraktivität. Beide haben ihre Eltern verloren. Das verbindet natürlich. Anna hat ihre Ausbildung als Köchin abgebrochen, während Michael sich in die Arbeit gestürzt hat. Da sind wir bei meiner Lieblingsszene: Beide laufen angeheitert durch die Weinberge bis plötzlich die Berieselungsanlage anspringt. Selbstlos zieht Michael sein Oberhemd aus, um ihre Haare zu schützen. So können wir endlich mal seinen durchtrainierten Oberkörper bewundern. Leider darf sie auf der Rückfahrt nicht in sein Cabrio steigen, weil dann die Ledersitze nass werden. Da kommt dann doch seine kleinkarierte Spießerseele zum Vorschein. Insgesamt erfüllen beide Charaktere leider nicht die Voraussetzungen für eine emotionale Anteilnahme. Dann gibt es noch die familiären Quasselstrippen, den quirligen Taxifahrer, den Opernarien schmetternden Gärtner usw.

Gefahren

Ohne echten Antagonisten wird’s schwierig mit den Gefahrenmomenten. Die resultieren eigentlich nur aus der möglichen Enttarnung von Annas Notlüge. Als die dann am Ende auffliegt, ist alles halb so wild. Also nur eine eingebildete Gefahr. Daran ändert auch der Suspense nichts. Aber auch in einer romantischen Komödie darf es ruhig zur Sache gehen. Beispiel gefällig? In „Overboard“ von Garry Marshall oder „Ninotschka“ von Ernst Lubitsch wird es für die  Protagonistinnen richtig gefährlich, zum Teil lebensgefährlich. 

Vorhersehbarkeit

Jeder Zuschauer hat tausende von Filmen gesehen und irgendwo auf seiner Festplatte abgespeichert. Bestimmte Handlungsmuster haben dann natürlich einen Wiedererkennungswert. Wenn eine Erwartungshaltung dann ein ums andere mal bestätigt wird, stellt sich – genau – Langeweile ein. Also, ginge es ums Gegenteil, um Überraschungen. Die gibt es in „You, Me & Italy“ leider selten. Da können wir Annas Notlüge auf der Habenseite verbuchen und dann vielleicht noch Matteos Kehrtwende, aber das war’s dann. Dass Anna in Michaels Armen und am Küchenherd ihrer neuen Familie landen wird, ahnt man schnell. 

Zufälle

Die sind immer ein erzählerisches Manko. In „You, Me & Italy“ wird damit nicht gegeizt: Zufällig trifft Anna in einer Hotelbar auf den Italiener Matteo, der zufällig in der Toskana eine Villa besitzt und dessen Eltern dort zufällig ein Restaurant betreiben. Wieso Matteo überhaupt wieder in der Toskana auftaucht, bleibt unklar und ist ebenfalls dem Zufall geschuldet.

Ambiente

Anstelle von Gefahren oder Überraschungen haben wir in „Me, You & Italy“ aber immer schicke Outfits und schicke Accessoires. Alle sind frisch geduscht und wie aus dem Ei gepellt. Die Inneneinrichtung aller Locations ist stylish. Kein lästiger Schmutz. Kein Dreck. Kein Ungeziefer. Alles tutto bene – eben so, wie man sich die Toskana erträumt. Die kurzen Strecken zwischen den Luxusanwesen legt man vorzugsweise im italienischen Sportwagen zurück.

Fazit

Insgesamt tut der Film niemanden weh. Er ist antidefätistisch. Imponierend – fast schon bewundernswert – ist die Hemmungslosigkeit, mit der die Filmemacher eine kitschige Szene nach der anderen montieren. Warum der Kinoverleiher den Starttermin im August angesetzt hat, bleibt schleierhaft. Wenn überhaupt, dann ist diese Toskanaschnulze etwas für kalte Herbst- oder Winterabende, zusammen  mit ordentlich Rotwein. Das könnte ein bisschen wärmen oder zumindest ein wenig benebeln. 

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 2 blaue Smileys und 5 schwarze traurige Gesichter für Kat Coiros' "You, Me & Italy".

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