USA 2024, Länge: 113 Min., FSK: 16
Produktion: Hideout Pictures u.a.
Regie: Potsy Ponciroli
Drehbuch: Mike Vukadinovich
Kamera: Eric Koretz
Musik: Jordan Lehning
Montage: Jamie Kirkpatrick
Darsteller: Himish Patel, Joseph Gordon-Levitt u.a.
Genre: Thrillerkomödie
Erzählmotiv: Gier
Suspense: teilweise vorhanden
Held(en): originell
Gegenspieler: Killer
Stimmung: schwarzhumorig
Bewertung: 2 von 7 Sternen
Stream: Apple TV, freenet Video, Videobuster
Bei „Greedy People“ handelt es sich um eine ziemlich durchgeknallte, schwarzhumorige Thrillerkomödie, die leider irgendwann die Bodenhaftung verliert.
Hin und wieder blitzt Poncirolis Talent auf. Das ist die Besetzung und Inszenierung von originellen Figuren (s.a. „Old Henry“). Dabei läuft der einfach gestrickte Officer Terry allen den Rang ab. Ihm schaut man gern zu, wie er sich in Tateinheit mit seinem Kollegen und dessen Frau sein Grab schaufelt. Inhaltlich erinnert der Thriller an „Ein einfacher Plan“ von Sam Raimi, ohne jedoch auch nur ansatzweise dessen Qualitäten zu erreichen. Das liegt an Poncirolis Entscheidung zu einer Gaga-Version, anstatt auf die Kraft der dramatischen, schwarzhumorigen Ausgangssituation und seiner Figuren zu setzen.
Die Geschichte
Officer Will ist mit seiner hochschwangeren Frau Paige nach Providence gezogen, einem Kaff an der Ostküste der USA. Nach Angaben seines neuen Partners Terry ist es dort so ruhig, dass man sich bei der „Arbeit“ ein Hobby zulegen sollte. Eine Aussage, die sich leider nicht bewahrheiten soll. Denn bei einem Einsatz tötet Will zufällig die Frau des Fischfabrikanten Wallace Chetlo. Außerdem stolpert er in der Villa über einen Haufen Bargeld. Kollege Terry überredet ihn, einen Einbruch zu fingieren und das Geld beiseite zu schaffen. Dummerweise werden sie dabei von Masseur Keith beobachtet. Dann erscheint auch noch der von Wallace gedungene kolumbianische Killer am Tatort und vermisst sein Honorar. Nachdem Paige das Bargeld aus dem Versteck holt und einen irischen Killer auf Terry ansetzt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Am Ende sind alle tot bis auf Captain Murphy, die Paiges Neugeborenes in ihre Obhut nimmt.
Stärken
In „Greedy People“ steht immer das Bestreben im Vordergrund, die Zuschauer zu unterhalten. Das erscheint banal oder selbstverständlich, ist es aber nicht. Für Unterhaltung sorgt hier zum erheblichen Teil das Aufgebot an originellen Figuren. Neben Officer Terry ist auch Fleischfabrikant Wallace ein steter Quell der Freude: hervorragend besetzt und inszeniert. Des Weiteren sind die Suspense-Situationen ziemlich genial: Da erhalten unsere beiden Cops von Captain Murphy den Auftrag, Verhöre im Todesfall durchzuführen. Der Zuschauer weiß um deren Verstrickungen, also um ihr Wissen, das sie verheimlichen. Aber er weiß auch von den Verstrickungen der Befragten, die mehr wissen als die beiden Cops. Das ist sehr schön. Das sorgt für Witz und Spannung.
Schwächen
Irgendwann kippt die Geschichte ins Absurde. Ein Killer, der am schwarzen Brett des Supermarkts Werbung für seine Dienste offeriert, ist schon hanebüchen. Spätestens hier hat der schwarzhumorige Thriller seine Bodenhaftung verloren. Dann kann man aber auch gar nichts mehr ernst nehmen. Weil alles möglich ist, kann man aber letztlich auch nicht mehr mit den Figuren mitfiebern. Das ist schade. In diese Rubrik fällt auch das absurde Ende des Films, in dem Captain Murphy, die vor Jahren ihr Kind verloren hat, ein Säugling sozusagen in den Schoß fällt. Das erinnert an das hanebüchene Finale von David Cronenbergs „Tödliche Versprechen“. Auch da ist von intervenierenden Kollegen oder dem Jugendamt weit und breit nichts zu sehen.
Lösungen
Die beiden Gaga-Auftragskiller streichen. Masseur Keith könnte von Wallace Chetlo als Killer gedungen worden sein. Keith ist einerseits froh, dass ihm jemand die Arbeit abgenommen hat, andererseits hätte er gern das Geld, genauso wie unsere beiden Cops. Deren Ermittlungen lenken zunehmend den Verdacht gegen sie selbst. Das schafft Suspense und erhöht die Anteilnahme für unsere Helden. Das Ende? Könnte man genauso gestalten wie in „Ein einfacher Plan“: Das Geld wird ein Opfer der Flammen. Dann ist endlich Ruhe.
Fazit
Schade. Die Zutaten waren vorhanden. Reichlich. Aber der Koch hat immer noch weitere Zutaten entdeckt und – vor allem – hinzugefügt. Leider. „Greedy People“ ist das Paradebeispiel eines Films, bei dem weniger mehr gewesen wäre. Zu gierig könnte man sagen. Manchmal reicht eben ein Koch, um den Brei zu verderben.


