Geliebte Jane (Julian Jarrold) USA, GB 2007

Diesem opulent ausgestatteten, biographisch angehauchten Melodrama liegt ein klassisches Erzählmotiv zugrunde: Die Unmögliche Liebe. Die 20-jährige Schriftstellerin Jane Austen trifft mit dem jungen Rechtsanwalt Tom Lefroy den Mann ihres Lebens. Am Ende verzichtet sie, weil sie glaubt, dass ihre Liebe in den ärmlichen Verhältnissen, in denen sie leben müssten, keine Zukunft hätte. Tatsächlich handelte es sich im Leben der Schriftstellerin bei dieser Begegnung um eine Romanze, die ein paar Wochen währte. Keinesfalls um die Liebe ihres Lebens. Aber das ist ja legitim, wenn Filmemacher ihre Version und Interpretation von Lebensdaten liefern, zumal Janes ältere Schwester Cassandra sämtliche Briefe, die hätten Aufschluss geben können, nach Jane Austens frühem Tod vernichtet hat.

Es handelt sich in „Geliebte Jane“ also um eine fiktionale Biographie, die versucht, das Liebesdrama zu eskalieren. Dafür werden von den Gegenspielern intrigante Briefe, zum Beispiel an Lefroys reichen Onkel verschickt, in denen Jane als Mitgiftjägerin verunglimpft wird. Die gemeinsame Flucht der Liebenden ist der Höhepunkt der Romanze. Für die erneute Kehrtwendung muss wieder ein Brief herhalten, den Jane zufällig bei Lefroy findet und sie von dessen Zuwendungen für seine darbende Familie in Kenntnis setzt. Im Film wird der Verzicht als reife Entscheidung einer langsam erwachsen werdenden Frau dargestellt. Tatsächlich ist dieser Brief ein Konstrukt. Denn Lefroys finanzielle Verpflichtungen hätten ihr eigentlich auch so bekannt sein müssen. Ihr scheinbar edelmütiger Verzicht verheimlicht auch den wahren Grund ihrer Umkehr: Ihr eigentlicher Geliebter ist nämlich nicht Lefroy, sondern die Schriftstellerei. Daneben hatten Männer vor allem als Forschungsobjekte eine Funktion. Denn nach eigenem Bekunden schreibt Jane ja über „Herzensangelegenheiten“ und da sind eigene Erfahrungen natürlich von Vorteil.

Der Film endet mit einem Zeitsprung und zeigt, dass Jane ihren Geliebten nie vergessen hat. Anlässlich einer Dichterlesung erscheint der inzwischen ca. 40-jährige Lefroy mit seiner Tochter, die er ebenfalls Jane genannt hat. Die Unmöglichkeit ihrer Liebe stimmt im Film traurig. Mehr Glück hatte Jane Austen in ihrem Leben, das sie kompromisslos ihrer wahren großen Liebe gewidmet hat. Insofern kein Zufall, dass die Romane der begnadeten Erzählerin und Beobachterin wie Aschenputtel-Varianten wirken und allesamt mit einem Happy End schließen.
Die brillante Kameraarbeit lässt die Drehorte ziemlich picobello erscheinen. Selbst das Wirtshaus einer Postkutschenstation wirkt richtig anheimelnd. Da ahnt man denn, dass alles irgendwie anders gewesen sein muss, nur nicht so. Im Jahre 1801 hatte Jane Austen sich in Bath in einen Mann verliebt, der kurz darauf tödlich verunglückte. Vielleicht wäre diese mysteriöse Episode viel tauglicher und dramatischer für ein biographisches Melodrama gewesen als die kurze Romanze mit Tom Lefroy?

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 4 blaue Smileys und 3 schwarze traurige Gesichter für "Geliebte Jane"

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