Auf der Kugel stand kein Name (Jack Arnold) 1959

„Auf der Kugel stand kein Name“ beginnt damit, dass der Revolverheld John Gant (Audie Murphy)nach Lordsburg reitet. Ihm eilt der Ruf voraus, ein Auftragskiller zu sein, der seine Opfer erst provoziert bevor er sie erschießt. Damit ist die tödliche Gefahr sofort etabliert und schwebt wie ein Damoklesschwert über den Bewohnern der kleinen Stadt: „Gant ist wie eine Seuche, gegen die wir noch kein Mittel haben.“ Fast jeder könnte im Fadenkreuz des Revolverhelden stehen. Das ist super, zumal diese Ausgangssituation auch jede Menge psychologisches Potenzial hat. Alle, die Dreck am Stecken haben, wittern einen Racheakt.

Hauptperson ist der Arzt Luke Canfield (Charles Drake), Sohn des örtlichen Schmieds. Er ist liiert mit Anne Benson, der Tochter des schwerkranken Richters. Luke und John sind sich nicht unsympathisch. Sie spielen sogar eine Partie Schach miteinander. Erst als die bloße Anwesenheit des Fremden zu Übergriffen, Selbstmord und Schießereien unter den Bewohnern führt, ergreift Luke Partei. Er stellt sich sogar an die Spitze einer Bürgerwehr, auch wenn er damit nur Schlimmeres verhindern will. Am Schluss ist es der verletzte Luke, der den Auftragskiller ausschalten kann.

So spannend die Grundidee ist, so altbacken kommt die Inszenierung daher, leider ganz im Stile eines 50er-Jahre-Western. Wenn John Gant anfangs aus der Wildnis kommt, ist er frisch rasiert und adrett gekleidet. Schon seltsam. Selbiges gilt auch für sämtliche Einwohner von Lordsburg. Das verleiht dem Western eine künstliche und infantile Note. Die Bildkomposition erfolgt vornehmlich in längeren Halbtotalen. Auch das würde man heute anders machen. Man hätte es auch seinerzeit schon anders machen können. In Akira Kurosawas „Die sieben Samurai“ von 1953 geht es, was Ausstattung und Inszenierung angeht, anders zur Sache und zwar richtig.

Ein Schwachpunkt ist auch die Vielzahl an Personen und Handlungssträngen, die der Film ins Spiel bringt. Es gibt außerhalb der Stadt eine Silbermine, an der Geschäftsmann Earl Stricker, Hotelbesitzer Henry Reeger und Farmer Ben Chaffee Anteile besitzen. Im Grunde befürchtet jeder von ihnen die Gier der Mitgesellschafter. Gerüchte und Spekulationen schaffen Argwohn und Misstrauen. Bankbesitzer Ted Pierce hängt irgendwie im Schlamassel mit drin und begeht Selbstmord. Lou Fraden hat einem Freund die Frau ausgespannt und befürchtet nun dessen Rache. Durch diese Anhäufung an Episoden bleibt eben Vieles an der Oberfläche. Ihre Vorgeschichten bleiben allesamt im Dunkeln.

Am Ende wartet „Auf der Kugel stand kein Name“ mit einer Überraschung auf. John Gant hat keinen der üblichen Verdächtigen im Visier. Auf seiner Todesliste steht kein Geringerer als Richter Benson. Vor Jahren war er mal an der illegalen Benennung des Gouverneurs und seines Stellvertreters beteiligt. Das belegt ein geheimes Dokument, das Anne in einer Schatulle findet. Leider erfahren wir weder etwas über den Inhalt dieses Dokuments noch über die Identität des Auftraggebers. Das ist schade. Man fragt sich auch, warum ein korrupter Richter derart belastendes Material aufbewahren sollte? Fazit: Das Potenzial dieser spannenden Grundidee wird leider nicht ausgeschöpft.

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