In die Sonne schauen

D 2024
Länge: 149 Min., FSK: 16
Produktion: Studio Zentral
Drehbuch + Regie: Mascha Schilinski
Kamera: Fabian Gamper
Musik: Michael Fiedler, Eike Hosenfeld
Montage: Evelyn Rack
Darsteller: Anna Heckt u.a.

Genre: Langweiler
Erzählmotiv: nicht vorhanden
Suspense: nicht vorhanden
Held(en): nicht vorhanden
Gegenspieler: nicht vorhanden
Stimmung: depressiv
Bewertung: 0 von 7 Sternen
Stream: Zeitverschwendung

Man will keine Vorurteile haben, weil sie eigentlich blöd sind. Manchmal stimmen sie ja auch nicht. Also, deutsche Filme sind entweder infantil („Manta, Manta“, „Das Kanu des Manitu“ usw.) oder depressiv und bar jeder Leichtigkeit („Das weiße Band“, „Aus dem Nichts“ usw.); deutsche Filmemacher können keine Dialoge schreiben („Ich bin dein Mensch“ usw.); die Figuren in deutschen Filmen sind häufig langweilige Gutmenschen („Rocca verändert die Welt“ usw.). Ausnahmen bestätigen bekanntermaßen diese Vorurteile. „Das Mädchen Wadjda“, der im saudi-arabischen Riad spielt, ist ein sehr schöner, einfacher Film, der sich ganz auf seine 10-jährige widerspenstige Protagonistin konzentriert. „Das Leben der Anderen“ natürlich. Aber der hat auch Suspense – für die meisten deutschen Filmemacher wahrscheinlich ein Fremdwort. Um es kurz zu machen: „In die Sonne schauen“ gehört leider nicht zu diesen wenigen Ausnahmen. Er ist ein langatmiger, manierierter Anfängerfilm und bestätigt alle grassierenden Vorurteile.

Die Geschichte

Gibt keine! Es gibt Fragmente, aber keine Geschichte. Schon der Ansatz, die Filmidee anhand einer Fotografie bzw. eines Vierseitenhofes in der Altmark aufzuzäumen, ist ein Fehler. Ein Bauernhof oder ein Foto ergeben keine Geschichte. Dafür müsste man sich nämlich um die Menschen kümmern, die im Gebäude leben bzw. auf den Bildern zu sehen sind. Man müsste sich mit ihren Bedürfnissen, Wünschen, Fehlern, mit ihren konflikthaften Interaktionen beschäftigen und dann das dramatische Potenzial ausloten und eskalieren. Der Regisseurin scheint das alles unwichtig bzw. fremd zu sein. Im Grunde hätte sie sich nur mal eingehender mit den Menschen dort auf dem Lande unterhalten sollen. Dann hätte sie Geschichten sammeln können und wäre vielleicht fündig geworden.

Fragmente

Vereinzelt gibt es Szenen, die einen Eigenwert haben. So läuft Erika in der Anfangsszene auf zwei Holzkrücken durch die Flure. Ihr linkes Bein scheint zu fehlen. Dann sehen wir, dass sie ihr unteres Bein an den Oberschenkel gebunden hat. Eine Täuschung. Für einen Moment schlüpft sie in das Leben ihres invaliden Onkels. In einer späteren Szene laufen die pubertierende Angelika und ihr Cousin Rainer barfuß über ein abgeerntetes Stoppelfeld. Anschließend zählen sie ihre Wunden auf den Fußsohlen. Auch Angelikas angedeuteter Striptease vor neugierigen Kinderaugen hat Charme. Aber dann kommen gleich wieder diese langatmigen, düsteren Szenen, wo man sich nur fragt, welche Handlungsrelevanz sie haben? Da drischt zum Beispiel eine Frau unentwegt auf einen alten Kaminofen ein. Immer wieder die Frage: Was soll das? Die Puzzleteile fügen sich nicht zusammen. Letztlich sind sie ein Sammelsurium von unproduktiven Irritationen.

Handwerk

Was lernt man eigentlich auf diesen Filmakademien? Das Handwerk offensichtlich nicht. „In die Sonne schauen“ malträtiert den Zuschauer mit quälend langen, düsteren Bildsequenzen. Bei ihren Fahrten fängt die Kamera häufig die Rückseiten der Protagonisten ein. Film ist aber Reaction und nicht Action (Dudley Nichols), heißt: Für eine emotionale Anteilnahme benötigen wir die Vorderansicht der Figuren und nicht die Rückseite. Die technische Qualität des Film ist grottig, das 4:3 Seitenverhältnis antik. Ab und zu blicken Schauspieler in die Kamera (anstatt in die Sonne). Wenn Alma durchs Schlüsselloch linst, kann sie aus der Perspektive eigentlich nicht die Fotos auf der Anrichte sehen. Mit der inneren Stimme von Angelika werden wir nach geschlagenen 45 Minuten beglückt. Abgesehen davon, dass sie in dieser Szene wieder von hinten zu sehen ist, bringt ein kompetenter Filmemacher seine Stilmittel sofort ins Spiel oder gar nicht. Die Gesamtlänge von zweieinhalb Stunden ist eine Zumutung.

Vorbilder

Leider hat Mascha Schilinski die falschen Vorbilder. In seiner ganzen Manieriertheit erinnert „In die Sonne schauen“ an die erzählerische Nullnummer „The Zone of Interest“. Indiz dafür u.a. das anschwellende Brummen, das hier wie da vor allem eines vermittelt: Was soll das alles? Permanente Ratlosigkeit erzeugt aber irgendwann nur noch Unwillen. 
„Heimat“ von Edgar Reitz wäre zum Beispiel ein taugliches Vorbild gewesen, aber der erzählt auch Geschichten und kümmert sich um seine Figuren. „Die Brücken am Fluss“ ist eine ganze einfache Liebesgeschichte im ländlichen Raum, die das Leben einer Mutter und Ehefrau ins Wanken bringt. Aber diese Beispiele konzentrieren sich auf ihre Figuren und orientieren sich an klassischen Erzählmotiven, womit wir beim Stichwort wären.

Klassische Erzählstrukturen

Warum soll es eigentlich schlecht sein, auf ausgelatschten Pfaden zu wandeln? Sie bieten doch Orientierung, Sicherheit und gewährleisten eine zeitige Ankunft. Man verplempert keine Zeit, um ans Ziel zu gelangen. Für das produktive Beschreiten neuer Wege benötigt man Know-how, und zwar jahrzehntelanges, sonst würde man sich verirren, genauso wie Mascha Schilinski. Das Bemühen um Innovation sollte auch immer der Geschichte dienen und nicht umgekehrt. Im Grunde ist es wie mit der Filmmusik: Sie hat die Aufgabe, sich der Handlung unterzuordnen und ihre Wirkung zu intensivieren. Außerdem: Was ist denn in diesem Film innovativ? Zeitsprünge, nicht-chronologische, elegische Erzählweisen und langweilige Filme gab es auch schon vor hundert Jahren. Das ganze Gerede von der positiven Auflehnung gegen klassische Erzählstrukturen ist doch nur ein Ablenkungsmanöver. Sie soll verschleiern, dass man sein Handwerk nicht beherrscht und dass man nichts, aber auch gar nichts zu erzählen hat. 

Andere Kunstgattungen

Wie sieht es denn mit formalen Erneuerungen in anderen Kunstgattungen aus? Expressionistische Maler wie Paul Klee oder Wassily Kandinsky hatten eine jahrelange klassische Ausbildung absolviert, bevor sie anfingen zu experimentieren. Dito in der Musik. György Ligeti oder Arnold Schönberg haben ihre künstlerische Laufbahn nicht damit begonnen, Zwölftonmusik zu komponieren. Also, die Sache ist doch sonnenklar: Erst nach einem jahrzehntelangen Studium und der Anwendung klassischer Strukturen wird ein Künstler in der Lage sein, interessante neue Wege aufzuspüren und zu beschreiten.

Filmkritiken

Jetzt wird’s unterhaltsam. Die ausnahmslos positiven Rezensionen zu „In die Sonne schauen“ erinnern an Hans Christian Andersens „Des Kaisers neue Kleider“, also das Hofieren des Nichts. Die bemühten und teilweise abenteuerlichen Satzkonstruktionen in den Filmkritiken sind schon unfreiwillig komisch. Realsatire pur. Exemplarisch hier der Link zu einer Filmkritik, wobei man schnell zu den Kommentaren runterscrollen sollte. Da erfährt man dann, wie frustrierte Zuschauer bei den Vorführungen in Scharen das Kino verlassen haben. Sie sind eben keine Hofnarren.

Fazit

„In die Sonne schauen“ kann man in die Tonne hauen (Achim Amme).

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 7 schwarze traurige Gesichter für "In die Sonne schauen".


Lieber in den Süden abhauen,

als in diese Sonne schauen.

Farbiges Logo von ebay.

Langweiler

Volveréis (Jonás Trueba) ES 2024

„Volveréis“ hat eine originelle Grundidee, nämlich dass nicht die Bindungen von Menschen Anlass zum Feiern sind, sondern die Trennungen. Das war’s dann aber auch (1 Stern). Ansonsten handelt es sich bei dieser „Komödie“ um einen langweiligen, geschwätzigen Amateurfilm. Die Unprofessionalität erkennt man u.a. an der Fülle von Szenen, wie Kaffeekochen, Frühstücken, Spaziergängen usw., die allesamt keine erzählerische Relevanz haben. Die Regie hat kein Gespür und kein Bewusstsein für den Spannungsaufbau einer Geschichte. Die Figuren wecken keine Emotionen, die Schauspieler sind schlecht. Warum das Paar überhaupt verheiratet ist oder sich trennen will, wird nicht weiter thematisiert. Die Dialoge sind banal bis grottig und redundant. Auch bei Kamera und Schnitt waren Dilettanten am Werk. Übrigens: Als wir ungefähr zur Hälfte des Films fluchtartig das Kino verlassen haben, ist uns aufgefallen, dass sich ausschließlich Frauen unter den Besuchern befanden.

Fazit
Eigentlich müsste die Produktionsfirma Dilettantos-Film heißen, dann würde die unfreiwillig komische Animation einer Rakete im Logo-Vorspann auch Sinn machen.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 1 blauer Smiley und 6 schwarze traurige Gesichter für den Langweiler "Volveréis".

Death Proof – Todsicher (Quentin Tarantino) USA 2007

Das Talent von Quentin Tarantino blitzt gelegentlich in vereinzelten Szenen auf, nie in einer Filmerzählung. Die Eröffnung von „Inglourious Bastards“ ist zum Beispiel genial, ebenso einige Situationen in „Django Unchained“ oder „Once Upon a Time in Hollywood“. Aber dann dominiert wieder die grenzenlose Infantilität eines pubertierenden Rotzlöffels in Gestalt eines Gothic-Säufers und gipfelt in hanebüchenem Müll wie „Kill Bill“ oder „Death Proof“. Der ist ein Langweiler und ein handwerkliches Armutszeugnis.

Nach geschlagenen 45 Minuten gibt es den ersten dramatischen Höhepunkt. Bis dahin Geschwätzigkeiten knapp bekleideter junger Frauen über Saufen, Kiffen, Filme, Autos und Ficken – worüber Mädels eben so reden. Viel Musik. Einen Lapdance. Viel Schnickschnack, mal in Farbe, mal in Schwarzweiß. Warum? Egal. In „Death Proof“ geht’s um Tarantinos degenerierte Spielzeugwelt, in der Autos (Dodge Challenger aus „Fluchtpunkt San Francisco“) eben wichtiger sind als die Figuren oder halbwegs nachvollziehbare dramatische Ereignisse. Spannungsfreier Schwachsinn. Eigentlich müsste der Filmtitel folgendermaßen lauten: „Death Boredom – Todsicher“.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 1 blauer Smiley und 6 schwarze traurige Gesichter für den Langweiler "Death Proof"

Logan Lucky (Steven Soderbergh) USA 2017

Hilly-Billy-Unfug mit einem hanebüchenen Gefängnisausbruch. Wehmütige Erinnerungen an László Benedeks „Der unheimliche Besucher“ oder Frank Darabonts „Die Verurteilten“. Keine Person, mit der man mitfiebern kann. Dafür eine Vielzahl von Figuren ohne Handlungsrelevanz: Ehefrau Bobbie, deren Freund Moody, Tochter Sadie usw. Einzig Kommissarin Sarah Grayson weiß durch ihre unbequemen Fragen zu überzeugen. Immerhin gibt es in „Logan Lucky“ zwei bis drei gelungene Gags. Wieso dreht Steven Soderbergh, der vor 20 Jahren den hervorragenden Drogenthriller „Traffic“ gedreht hat, so einen sinnfreien Langweiler?

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 1 blauer Smiley und 6 schwarze traurige Gesichter für den Langweiler "Logan Lucky"

Rocca verändert die Welt (Katja Benrath) D 2019

Nein, ich mach’s nicht! Dieser Blog soll kein Ort zum Lästern sein. Nein, nein, nein! Andererseits: Was zu viel ist, ist zu viel. Was sehe ich im neuen Filmkatalog des BJF mit aktuellen, sehenswerten Filmen für unsere Jugend? „Rocca verändert die Welt“ ist im Programm und hat auch noch das Prädikat „besonders wertvoll“ erhalten. Unsere armen Kinder!

Als wir den Film nichtsahnend auf einem Filmfestival im Wettbewerb sahen, hat unsere Delegation geschlossen den Saal verlassen. Und zwar in dem Moment als der gutmütige Obdachlose, der selbstredend ohne eigenes Verschulden auf der Straße gelandet ist, sich als Doktor der Jurisprudenz entpuppt. Als er sich dann gegenüber der Pippi-Langstrumpf-Epigone auch noch als Besitzer einer Villa am Elbstrand outet, die er natürlich seinen Leidensgenossen zugute kommen lassen will, war das Maß voll. Die Regisseurin kommt von der Hamburg Media School, bekannt als steter Quell des Gutmenschentums, der Langeweile und der unfreiwilligen Komik – jedenfalls meistens. Daran hat auch „Rocca verändert die Welt“ nichts verändert.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 7 schwarze traurige Gesichter für den Langweiler "Rocca verändert die Welt"