They Want Me Dead (Taylor Sheridan) USA 2020

Was für ein öder Film! Taylor Sheridan versucht sich in „They Want Me Dead“ an einem klassischen Erzählmotiv, nämlich „Der bedrohte Zeuge“ und scheitert grandios. Da denkt man mit Wehmut an „Das unheimliche Fenster“ (Ted Tetzlaff), „Gloria“ (John Cassavetes) oder „Der einzige Zeuge“ (Peter Weir) zurück.

Es fängt mit kompletten Fehlbesetzungen an: Hannah Faber (Angelina Jolie) ist in der Rolle einer Brandbekämpferin in den Wäldern Montanas so passend wie ihre Lippen als Ausstellungsstück eines Naturkundemuseums. In der gesamten Filmgeschichte hat sich wahrscheinlich noch nie ein kleiner Junge, der bedrohte Zeuge Conner, so unglaubwürdig gegenüber seinem Vater, dem forensischen Buchhalter Owen Casserly, verhalten wie hier. Gleiches trifft umgekehrt auf den Vater zu.

Die Killer sind Knalltüten, die erst das Haus von Casserlys Chef in die Luft jagen, damit der Buchhalter eine Berichterstattung im Fernsehen verfolgen und rechtzeitig fliehen kann. Warum fährt er dann nicht zum nächsten Polizeirevier oder zum nächsten TV-Sender, um seine Erkenntnisse krimineller Machenschaften zu veröffentlichen? Als die Killer dann in der leeren Wohnung des Vaters eintreffen, greifen sie zielsicher eine Fotografie seines Schwagers Ethan von dutzenden an der Wand hängenden Bildern heraus, um Vater und Sohn zu folgen, die – oh Wunder! – tatsächlich zum Schwager fliehen. Offensichtlich sind die Killer mit hellseherischen Fähigkeiten ausgestattet. Die Annäherung zwischen Hannah Faber und dem Jungen erfolgt viel zu früh. Ein kompetenter Dramaturg würde diesen Moment exakt zum Schluss setzen und keinen Moment früher. Warum, dürfte klar sein.

Schön sind die Landschaftsaufnahmen und die Darstellung des Waldbrandes – das einzig lebendige in einer Welt voller künstlicher Figuren. Emotionen weckt „They Want Me Dead“ ansonsten keine. Am Ende des Films erfahren wir noch nicht einmal den Inhalt der angeblich so brisanten Enthüllungen. Aber das interessiert zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich auch niemanden mehr? Wieso dreht ein talentierter Drehbuchautor wie Taylor Sheridan einen derart uninspirierten Film und verhökert bereitwillig ein Stück seiner beruflichen Ehre? Nur des Geld wegen? Eigentlich müsste der Titel des Films so lauten: They want me stupid!

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