Tränen der Sonne (Antoine Fuqua) USA 2003

Ein spannender Kriegsthriller, der zeitlich wohl auf den Militärputsch des Diktators Sani Abacha in Nigeria 1993 beruht. Aufrührerische Rebellen ermorden den gewählten Präsidenten samt Familie, übernehmen die Macht und verbreiten durch „ethnische Säuberungen“ Angst und Schrecken. Der Film besticht mit einer einfachen Geschichte, mit der Einheit von Zeit, Raum und Handlung: Der US-amerikanische Lieutenant Waters (Bruce Willis) hat den Auftrag, mit einer kleinen Spezialeinheit Dr. Lena Kendricks, amerikanische Ärztin in einer christlichen Mission, in Sicherheit zu bringen. Scheinbar kein großes Ding. Doch Dr. Kendricks weigert sich, ohne ihre afrikanischen Patienten und Schützlinge die Mission zu verlassen. Waters steckt in der Bredouille. Eigentlich will er hier nur schnell seinen Befehl ausführen. Also gaukelt er Dr. Kendricks vor, nicht nur sie, sondern auch ihre Schützlinge zu evakuieren. Zu Fuß wandert die Kolonne zum verabredeten Hubschrauberlandeplatz. Damit hängen Waters und seine Männer aber am Haken. Nach und nach entwickeln sie Gefühle für die Flüchtlinge und können nach einem grausamen Massaker der nigerianischen Truppen an den Zurückgebliebenen der Mission nicht mehr einfach zur Tagesordnung übergehen. Waters widersetzt sich seinem Befehl und beginnt mit der Evakuierung der gesamten Flüchtlingsgruppe. Die Schwächsten lässt er mit einem Helikopter in Sicherheit bringen. Den Rest will er mit seinen Männern ins 60 Kilometer entfernte Kamerun führen. Das ist schon genial angelegt: Eine Rettungsmission von A nach B mit einer mordgierigen Rebelleneinheit auf den Fersen. Wie vorbildlich die Spannung eskaliert wird, demonstriert eine kleine Episode im nächtlichen Dschungel: Auf ihrem Weg zum Hubschrauberlandeplatz kommen den Flüchtlingen schwer bewaffneten Rebellen entgegen. Waters gibt den Befehl, sich im Dschungel zu verstecken und keinen Laut von sich zu geben. Das gilt auch für das unruhige Baby, dem Dr. Kendricks den Mund zuhält. Die Rebellen ziehen dicht an den versteckten Flüchtlingen vorbei. Das Baby wird unruhig. Einer der Rebellen schöpft Verdacht und beginnt, das Gelände neben dem Pfad zu durchsuchen. Fachgerecht wird nicht nur hier die tödliche Gefahr retardiert und bis zum Maximum ausgereizt. Die Hauptfiguren sind interessant, belauern und belügen sich und durchlaufen eine Entwicklung. Noch kurz vor Ende rechtfertigt Dr. Kendricks ihr Wissen um die Anwesenheit dreier Verräter in der Gruppe: „Ich konnte Ihnen (Lt. Waters) nicht vertrauen.“ „Was muss man tun, um Ihr Vertrauen zu gewinnen?“, antwortet Lt. Waters. Überhaupt sind die Dialoge spannend und hintergründig. Als Waters noch in der Mission mit Dr. Kendricks Wunsch nach einer gemeinsamen Evakuierung konfrontiert wird, stellt er eine Satellitenverbindung zu seinem Befehlshaber her. Der Zuschauer erfährt nicht, was der Captain sagt, nur dass Waters nach dem Telefonat scheinbar auf das Verlangen eingeht. Einer von Waters Leuten stellt den Lieutenant zur Rede: „Was hat der Captain gesagt?“ Waters schaut ihn gar nicht an als er antwortet: „Was glaubst du wohl, was der Captain gesagt hat?!“ Das ist super. Man muss schon mitdenken, um auf dem Laufenden zu bleiben. Hinzu kommt noch eine herausragende Kameraarbeit.
Der Thriller ist drauf und dran, die gesamte Punktzahl einzufahren, bis er in der zweiten Hälfte alles in den Sand setzt. Es fängt mit einer Episode an, die eine grausame „ethnische Säuberung“ in einem kleinen Dorf zeigt. Waters und seine Leute könnten das Dorf umgehen. Aber sie ergreifen Partei und töten die Rebellen. Diese Szene ist viel zu lang, zu grausam und besitzt eigentlich keine Handlungsrelevanz. Sie dient nur der plumpen Heroisierung amerikanischer Militäreinsätze in ausländischen Kriegsgebieten. Und so geht es dann weiter. Als Waters nach der Enttarnung der drei Verräter seine Männer nach dem weiteren Vorgehen befragt, antworten alle unisono: Ich bin dabei. Das ist aber unklug und auch undramatisch. Besser wäre hier ein Konflikt gewesen und die Verräter ihrem Schicksal zu überlassen. Denn sie sind ja das eigentliche Ziel der Verfolger, weil sich unter ihnen ein Sohn des ermordeten Präsidenten befindet. Dass der ein Symbol für Demokratie, Frieden und Fortschritt sein soll, mag man auch nicht so recht glauben. Üblicherweise wird in diesen Regionen doch ein korrupter Präsident durch den anderen ersetzt. Richtig schlimm ist dann das pathetische, verlogene Ende, das eine Last-Minute-Rescue durch amerikanische Kampfflugzeuge zeigt. Als wenn die Amerikaner jemals mit ihren militärischen Auslandseinsätzen für die Befriedung von Regionen gesorgt hätten? Gibt es solche Einsätze? Zumindest im Film dürfen wir das mal erleben. Unterstützt von der domestizierenden Filmmusik Hans Zimmers erfahren wir jetzt das ganze Ausmaß dessen, was sich hinter dem schmalzigen Filmtitel verbirgt: Pathos zum Abwinken. US-Soldaten als Retter armer verfolgter Schwarzafrikaner. Da nimmt sogar Dr. Kendricks am Ende den arg lädierten Lt. Waters an ihren wohlgeformten Busen. Schade, kann man da nur sagen. Wie auf intelligente Art und Weise die Fragwürdigkeit derartiger Militäreinsätze thematisiert und gleichzeitig eine spannende Geschichte erzählt wird, zeigen z.B. „Black Hawk Down“ von Ridley Scott oder „Lone Survivor“ von Peter Berg.

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