Headhunters (Morten Tyldum) Norwegen 2011

Das erste Drittel dieses schwarzhumorigen Thrillers nach einem Roman von Jo Nesbø ist wunderbar komponiert. „Headhunters“ lebt von einem interessanten, gewieften und hinterhältigen Protagonisten von kleiner Statur, dem Headhunter Roger Brown, der einem luxuriösen Lebensstil frönt, um seine attraktive Frau Diana an sich zu binden. Aber das gemeinsame „Schöner Wohnen“ lässt sich nicht allein von seinem Gehalt finanzieren. Deshalb bricht Roger in die Wohnungen vermögender Kunden ein und stiehlt wertvolle Gemälde. Man ahnt, dass das nicht gut ausgehen wird, was dann letztlich auch wieder nicht stimmt (ein kleiner Hinweis auf die vielen Wendungen des Films, die teilweise überkonstruiert sind).

Sehr schön ist die Überraschung des Helden als er beim Diebstahl in der Wohnung des Antagonisten Clas Greve in einer plötzlichen Gefühlsaufwallung seine Frau anruft und deren Mobiltelefon im angrenzenden Schlafzimmer läutet. Überhaupt ist die Liebesgeschichte zwischen dem unter Komplexen leidenden Roger und seiner schönen Frau, für die er dieses Doppelleben führt, eigentlich das Highlight des Films. Wunderbar ist die ironische Pointe, als Roger erfahren muss, dass der ganze Aufwand eigentlich für die Katz war. Denn Diana liebt ihn wirklich, braucht eigentlich keine teuren Geschenke, kann auf Luxus gern verzichten, nicht aber auf ihren Kinderwunsch.

Leider nimmt „Headhunters“ nach einem Drittel immer abstrusere Wendungen. Es fängt mit einer Giftspritze in Rogers Wagen an, in die sich irrtümlich sein Komplize Ove setzt. Dessen Leiche versucht Roger in einem See verschwinden zu lassen. Doch der Tote erweist sich plötzlich als lebendig. Rettungsversuche beantwortet er in seinem Haus mit Schüssen aus seiner Maschinenpistole, woraufhin Roger ihn tatsächlich erschießt. Absurditäten, Infantilitäten und Derbheiten gewinnen die Oberhand. Es triumphiert der Unsinn und der schlechte Geschmack. Das Abtauchen in die Exkremente eines Plumpsklos finden die Autoren offensichtlich witzig (und offensichtlich haben sie noch nie auf einem solchen gesessen). Als Clas Greve dann auch noch einen LKW entführt, um Roger zu überfahren, dabei vier Kriminalbeamte tötet, was selbstredend keine Konsequenzen nach sich zieht, hat man sich emotional aus Absurdistan längst verabschiedet. Welches Interesse sollte Clas Greve überhaupt haben, Roger zu töten? Nur weil der scheinbar als Headhunter gegen seine Bewerbung beim Konzern-Konkurrenten ist? Eine „erfolgreiche“ Ermordung hätte Clas Greve doch sofort zum Tatverdächtigen gemacht.

Schade, dass vorhandenes erzählerisches Potenzial in „Headhunters“ nicht ausgeschöpft wird. Dabei wäre die Lösung ziemlich einfach gewesen: Verzicht auf sämtliche Absurditäten, Konzentration auf die Liebesgeschichte und den damit verknüpften Kunstdiebstählen. Clas Greve hätte ein Spezialagent der geschädigten Versicherungen sein können. Denn die haben im Zuge der Diebstahlserie doch viel Geld verloren und massives Interesse an der Aufklärung. Das hätte auch Clas Greves Insiderinformationen erklärt, die er sonst gar nicht haben kann. Immerhin hat der Held am Schluss einiges gelernt – zum Beispiel, dass kleine Geschenke die Freundschaft erhalten, oder die Liebe.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 3 blaue Smileys und 4 schwarze traurige Gesichter für "Headhunters"

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