USA 2022, Länge: 109 Min., FSK: 16
Produktion: Bad Robot Productions u.a.
Regie: Anna Foerster
Drehbuch: Maggie Cohn, Jack Stanley
Kamera: Michael McDonough
Musik: Nima Fakhrara
Montage: Matt Evans, Paul Tothill
Darsteller: Allison Janney u.a.
Genre: Thriller
Erzählmotiv: Kidnapping
Suspense: nicht vorhanden
Heldin: tough
Gegenspieler: Psychokiller
Stimmung: regnerisch
Bewertung: 2 von 7 Sternen
Stream: nicht nötig
Der Actionthriller „Lou“ hat eine originelle Heldin und gut gemachte Stunts. Das war’s dann aber.
Ansonsten hat man irgendwie alles schon gesehen. Alles ziemlich vorhersehbar hier. Nur die Handlung gerät zum Ende hin immer hanebüchener. Das ist aber auch die einzige Überraschung.
Die Geschichte
Die ehemalige CIA-Agentin Lou will sich in ihrer einsamen Hütte auf Orcas Island das Leben nehmen. Dabei wird sie von ihrer Nachbarin Hannah gestört, die ihre kleine Tochter Vee vermisst. Nachdem Lous Truck explodiert und sie die Leiche eines Verehrers von Hannah finden, wissen sie, dass sie es hier mit einem Killer zu tun haben. Der entpuppt sich als Hannahs Ex-Mann Philip, dem Vater von Vee, und dem Sohn von Lou. Ihr gelingt es bei der Suche nach dem Entführer, zwei Helfershelfer von Philip liquidieren. Während Hannah versucht, den Sheriff zu alarmieren, kann Lou die Flüchtenden an einem Strand stellen. Beim Kampf mit ihrem Sohn wird Lou allerdings verletzt. Dafür greift die zurückgekehrte Hannah ins Geschehen ein. Sie kann Philip verwunden und mit ihrer Tochter fliehen. Nach einem Kampf auf Leben und Tod umarmt Lou ihren Sohn und entschuldigt sich bei ihm. Beide tauchen im Meer unter, um dem Gewehrfeuer der eingetroffenen CIA-Agenten zu entgehen. Am Schluss verlassen Hannah und Vee Orcas Island, wobei sie von einer Frau mit Fernglas beobachtet werden. Die entpuppt sich als Lou, die den Kampf offensichtlich überlebt hat.s Eremit.
Stärken
Endlich mal eine toughe weibliche Heldin, deren bewegte Vergangenheit sich in ihrem verlebten Gesicht widerspiegelt. Das ist ungewöhnlich und vielversprechend. Dann sind die Stunts hervorragend choreografiert. Viel liebevoller als der Handlungsablauf. Aber dann …
Schwächen
Der Handlungsablauf ist vorhersehbar und langweilig. Er wirkt wie ein Filtrat von tausenden fragwürdiger Thriller. Völlig aberwitzig wird das Ganze, als Lou sich als Mutter des Killers entpuppt. Ein Zufall ist immer ein erzählerisches Manko, hier ein ziemlich absurdes. Ein Familienzusammentreffen der grotesken Art.
Weitere Ungereimtheiten
Warum will Lou sich eigentlich umbringen? Wieso regnet es ständig?Warum tötet Philip Hannahs Freund auf bestialische Art und Weise? Der entfernt sich doch gerade vom Haus seiner Ex-Frau, also vom Ort des geplanten Kidnappings. Damit ist er für Philip eigentlich kein Hindernis. Im Gegenteil. Die Leiche des Freundes, die sich in einem an einer Weggabelung abgestellten Wagen befindet, könnte gefunden werden. Wieso betäubt Philip seine Tochter vor der Entführung mit Gas? Er müsste doch ihr Vertrauen gewinnen und nicht ihre Gesundheit gefährden. Welche Funktion haben die beiden Helfershelfer? Bei seinen Fähigkeiten kann Philip diese Entführung doch allein durchführen. Derart zwielichtige Helfer engagiert man doch nur, wenn man sich nicht die Hände schmutzig machen will oder kann.
Lösungen
Wie wär’s denn gewesen, wenn nicht Hannah, sondern ihre kleine Tochter Lou’s Selbstmordversuch verhindert hätte? Dann wären Lou und die kleine Vee die Gejagten gewesen, was die Spannung in andere Dimensionen katapultiert hätte. Außerdem hätte man ein „Odd-Couple“-Paar konfigurieren können, also zwei, die sich eigentlich nicht abkönnen, aber durch äußere Umstände aneinander gekettet sind. Lou, weil sie ein kleines Kind beschützen muss und Vee, die Hilfe braucht. Das hätte eine Variante von John Cassavetes’ „Gloria“ sein können. In jedem Fall hätte es zusätzliche Spannung generiert. Die absurde Mutter-Sohn-Verbindung sollte man besser streichen. Die beiden Helfershelfer sowie Hannahs Verehrer haben ebenfalls keine Handlungsrelevanz. Die tödlichen Kämpfe mit ihnen dienen nur der Anhäufung von Actionszenen.
Fazit
Die originellen Ansätze in „Lou“ werden durch Vorhersehbarkeit und teilweise hanebüchene Handlungen leider komplett überlagert. Emotionen entstehen zu keiner Zeit.

















