Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille (Cédric Jiminez) F 2014

Das machen sie schon super, die Franzosen. Sie nehmen einfach das, was da ist. In diesem Fall: die „French Connection“, also reale Vorgänge im Marseiller Drogenlimieu aus dem Jahr 1975. Ausgestattet mit einem veritablen Helden, dem Richter Pierre Michel (Jean Dujardin), entspinnt sich ein gnadenloser Zweikampf zwischen Gut und Böse, den – um es mal vorwegzunehmen – die Gangster gewinnen. Mit seiner Hauptfigur erinnert „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ an Ridley Scotts „American Gangster“. Ein großer Vorteil dieser Vorlage ist auch die Möglichkeit zur Identifikation mit dem Helden. Es reicht eben nicht, einfach zu nehmen, was da ist. Man sollte auch wissen, was geeignet ist und wie man es umsetzt.

Und hierzulande?

Beeindruckend ist auch der unbedingte Wille, einen spannenden Unterhaltungsfilm zu drehen. Keine Nabelschauen. Keine Eitelkeiten. Keine Langeweile. Im Grunde wird dieser Figur des Unbestechlichen ein Denkmal gesetzt und den Angehörigen der Opfer dieses Drogenkrieges gedacht. Und hierzulande? Was ist mit den realen Kriminal- oder Justizfällen, die man filmisch aufarbeiten könnte oder sollte? Lassen wir das Lamentieren und reden lieber nicht über die Verfilmung der NSU-Morde. Ist nur ein Bumerang. „Der Staat gegen Fritz Bauer“ soll gut sein. Immerhin.

Stärken

In „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ sind alle Figuren hervorragend besetzt, von der Heroinabhängigen bis zum neapolitanischen Mafioso. Einfach grandios. Die teilweise fiebrig agierende Handkamera passt zum authentischen Geschehen. Pierre Michel agiert im Stile eines „lonesome Cowboy“. Das hat schon was, wie er ein ums andere Mal Mitarbeiter, Verdächtige oder Kriminelle überrascht, indem er dickköpfig und nicht immer ganz legal seine Ziele verfolgt. Er nimmt sogar ein Geldgeschenk der Mafiosi in Höhe von 10.000 Franc an, aber nur, um es umgehend an einen Verein zur Hilfe von Drogenopfern weiterzuleiten. Pierre Michel ist nicht korrumpierbar. Er ist ein wahrer Held.

Dramaturgie

Die Gefahr, in die Pierre Michel bei seinem Feldzug gerät, könnte kaum größer sein. Sie ist, wie sich am Ende herausstellt, tödlich. Der Richter wirkt wie ein Getriebener, aber keineswegs unbeirrbar. Manchmal macht sich Resignation breit oder Zweifel, zum Beispiel als die Auswirkungen des Kampfes seine Familie erfassen. Als seine Frau ihn mit den gemeinsamen Kindern verlässt, bricht er zusammen. Er ist keine Maschine. Gerade in diesen Krisen hat er unsere Sympathie. Wir zittern mit ihm mit. Er kämpft um seine Familie, um sich dann doch wieder auf den Weg zu machen, was seine Frau lakonisch kommentiert: „Du musst tun, was du tun musst.“ Pierre Michel schweigt. Was soll er auch sagen? Sein Gegenspieler, der neapolitanische Mafioso Gaetan „Tany“ Zampa (Gilles Lelouche) ist ein Bösewicht wie er im Buche steht. Alfred Hitchcock hätte seine Freude an ihm gehabt. Jedenfalls erfüllt er die dramaturgische Gleichung des Altmeisters voll und ganz: „Je gelungener der Schurke, umso gelungener der Film“. Gibt’s denn gar nichts zu monieren? Doch.

Schwächen

Der Film beginnt damit, dass zwei Gangster auf einem Motorrad am helllichten Tage einen Rivalen in seinem Mercedes erschießen. Wer hier wen und warum beseitigt, wird nicht klar. Von solchen Szenen mit eingeschränkter Handlungsrelevanz gibt es ein paar. Das ist einer der Schwächen dieses Thrillers. Er will alles zeigen und verwirrt teilweise. Weniger wäre mehr gewesen.

Chronologie

Der Thriller ist chronologisch erzählt, also von der Ernennung Pierre Michels zum Richter für organisierte Kriminalität in Marseille bis zu seiner Ermordung. Diese Entscheidung ist naheliegend, aber ein dramatischer Nachteil. Denn es dauert schon ein wenig, bis der Held (und der Zuschauer) sich orientiert hat und in Gefahr gerät. Einmal mehr bewahrheitet sich Patricia Highsmiths dramatische Regel: „Ein gute Geschichte beginnt so nah wie möglich vor ihrem Ende“. Besser wäre also ein späterer Einsatz der Erzählung gewesen, zum Beispiel beim ersten Aufeinandertreffen des Helden mit „Tany“ Zampa auf der Landstraße, das um ein Haar tödlich für Pierre Michel ausgegangen wäre. Dieser Beginn hätte die Dramatik sofort auf den Höhepunkt getrieben. Die offenen Fragen wären der Spannung nicht abträglich gewesen. Im Gegenteil.

Fazit

„Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ endet ganz im Geist des Existenzialismus. Nach Pierre Michels Ermordung hält der korrupte Innenminister die Grabrede, umgeben vom Kartell der „Korsaren“ in ihrer Tarnung als Mitglieder des Drogendezernats. Crime does pay. Bezeichnenderweise fand sich in Deutschland noch nicht mal ein Kinoverleih für diesen spannenden Thriller. 

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 5 blaue Smileys und 2 schwarze traurige Gesichter für Joel Schumachers Der Unbestechliche - Mörderisches Marseille.

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Payback – Zahltag (Brian Helgeland) USA 1999

Es zahlt sich aus, diesen Thriller nicht allzu ernst zu nehmen. Dann kommt man mehr auf seine Kosten. In seinen besten Momenten ist „Payback – Zahltag“ also kein reiner Thriller oder Actionthriller, sondern eine Thrillerkomödie mit einem klassischen Erzählmotiv, nämlich Rache. Bei einem Raubüberfall auf chinesische Gangster wird Porter (Mel Gibson) von seinem Kumpel Val und seiner eigenen Frau hintergangen. Er überlebt schwerverletzt. Kaum wieder genesen, macht er Jagd auf die Verräter. Bei seinem Feldzug scheut Porter auch einen bleihaltigen Kampf mit der Mafia nicht. Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Richard Stark und ein Remake von „Point Blank“ aus dem Jahr 1967.

Stärken

Der Film beginnt mit eindrucksvollen Nahaufnahmen, farbentsättigten Bildern, die eine düstere Grundstimmung einläuten. Assistiert von einer Off-Stimme sind wir immer ganz nah beim Helden. Erzählt wird eine einfache und verständliche Rachegeschichte. All das sind nicht zu unterschätzende Vorzüge. Einmal stutzt man und fragt sich, nachdem Porter die Verräter zur Strecke gebracht hat, warum er es nicht dabei belässt? Aber da ist ja noch Rosie, eine Edel-Prostituierte, die er von früher kennt und für die er immer noch Gefühle hegt. Porter weiß, dass sie beide erst frei sind, wenn auch die Bosse das Zeitliche gesegnet haben.

Klischees

Vieles wirkt einfach überzogen, manchmal bis ins Groteske, zum Beispiel der sadomasochistische Clinch zwischen Val und der chinesischen Prostituierten Pearl. Okay, das sind die Momente, in denen man nicht alles so ernst nehmen sollte. Desgleichen die chinesischen Mafiosi, die allesamt nicht nur so aussehen, wie man sich in seinen schlimmsten Albträumen fernöstliche Gangster vorstellt – nein, sie verhalten sich auch noch so. Sie transportieren Drogengelder in großen schwarzen Limousinen, sind schießwütig oder wollen einem die „Eier“ abschneiden. Die Cops sind korrupt und nicht besonders helle. Irgendwie hat man das alles schon mal so oder so ähnlich gesehen.

Mafiosi

Ganz schlimm wird es bei den Bossen des Syndikats. Die sind so schlecht inszeniert, dass selbst die Strategie, nicht alles ernst zu nehmen, nicht mehr funktioniert. Die „Bodyguards“ von Vize Carter werden bei Porters erstem Besuch kurzerhand k.o. geschlagen und ihr Boss zur Warnung erschossen. Vize Nr. 2 jammert bei Porters Besuch über seinen zerschossenen Koffer aus Alligatorleder und feuert seine beiden „Bodyguards“. Die verbliebenen Gangster der Vizebosse werden von Porter in ihrem Wagen in die Luft gejagt. So richtig unfreiwillig komisch ist dann der Auftritt von Gangsterboss Bronson. Er rudert zu Hause auf einem Fitnessgerät – was Mafiabosse eben so machen – und versteht sich prächtig mit seinem 18-jährigen Sohn. Das ist ja ganz schön, hat aber bei der Charakterisierung eines tauglichen Antagonisten nichts verloren. Schade, dass von diesen Gangstern – mit Ausnahme der Folterszene vielleicht? – überhaupt keine Gefahr ausgeht.

Zufälle

Dafür gibt es aber einige Zufälle, was ja erzähltechnisch nicht so toll ist. Zufällig kann Porter sich beim Showdown, trotz schwerster Verletzungen, seiner Fesseln entledigen und sich aus dem Kofferraum von Bronsons Limousine befreien. Zufällig befindet sich auch noch ein Autotelefon in der Konsole, das zufällig freigeschaltet ist, so dass Porter seinen tödlichen Anruf erledigen kann. Ist ja noch mal gut gegangen, kann man da nur sagen. Genauso als die fiesen Chinesen Porter an die „Eier“ wollen. Da tauchen zufällig und gerade noch rechtzeitig die korrupten Cops auf, weshalb die Schlitzaugen lieber erstmal Leine ziehen. Jedenfalls sind die Detectives einmal zu etwas nutze.

Prinzip

Ein weiterer Schwachpunkt ist Porters Anteil von 70.000 Dollar aus dem Überfall mit Val. Immer wieder besteht er auf der Auszahlung dieser Summe. Zurecht bezweifeln Mafiosi und Cops seine Zurechnungsfähigkeit. Wenn es sich um sein Geld handeln würde, wäre es ein origineller Charakterzug, vergleichbar mit dem dickköpfigen Verhalten von „Parker“ (Taylor Hackford, die Buchvorlage stammt übrigens ebenfalls von Richard Stark), dem es bei seiner Abrechnung „ums Prinzip“ geht. Aber in „Payback – Zahltag“ ist es nicht Porters Geld. Es handelt sich um Drogengelder, die er mit Val den Chinesen abgeknöpft hat. Seine Beharrlichkeit, exakt diese 70.000 zu bekommen, ist nicht wirklich nachvollziehbar.

Fazit

Schlussdialog. Rosie: „Wohin jetzt?“ Porter: „Irgendwo hin, Baby. Wenn du nicht mehr auf den Strich gehst, höre ich auf Leute umzulegen.“ Na, das ist doch mal eine Perspektive, mit der wir an diesem „Payback – Zahltag“ leben können.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 2 blaue Smileys und 5 schwarze traurige Gesichter für Payback - Zahltag.

Der Klient (Joel Schumacher) USA 1994

Die Romane von John Grisham und ihre Verfilmungen zeichnen sich nicht gerade durch Originalität aus. Bestenfalls sind sie solide Unterhaltung, was eigentlich schon mal ziemlich gut ist. Umso überraschender ist die Adaption von Grishams „Der Klient“. Sie ist nicht nur originell, sondern behandelt auch ein klassisches Erzählmotiv, nämlich „Der bedrohte Zeuge“ (s.a. „Der einzige Zeuge“ von Peter Weir). Ein großer Pluspunkt ist die konsequente Erzähl-Perspektive aus der Sicht des elfjährigen Mark Sway. Und das machen Regisseur Joel Schumacher und sein Hauptdarsteller richtig gut. Der Junge, der aus prekären Verhältnissen stammt, ist mit Brad Renfro hervorragend besetzt. Auch sein kleiner Bruder und seine alleinerziehende Mutter agieren brillant. Komplettiert werden die Protagonisten von Susan Sarandon, die als Anwältin „Reggie“ Love Gelegenheit hat, ihr persönliches Schicksal zu verarbeiten. Fünfter im Bunde ist Tommy Lee Jones als mediengeiler, durchtriebener Staatsanwalt Roy Foltrigg. Es macht einfach Spaß, diesen rotzfrechen Figuren bei der Jagd nach Marks Geheimnis zuzuschauen.

Suspense

Mafiaanwalt Jerome Clifford verrät dem Jungen nämlich kurz vor seinem Freitod, wo sich die Leiche des ermordeten Senators Boyette befindet. Dieses lebensgefährliche Wissen teilt außer Mark nur noch einer: der Zuschauer. So ist das richtig. Das ist Suspense par excellence. Der Zuschauer als Komplize. Die Gegenspieler des Jungen sind im Grunde alle Erwachsenen. Mark weiß eigentlich nie, wem er glauben kann und wenn er es mal versucht, ist es meist ein Grund, schnell das Weite zu suchen. Auch die Annäherung zu Reggie wird fachgerecht erst am Ende vollzogen. Die Freundschaft des Jungen kann man eben nicht so einfach erwerben. Das ist dramaturgisch perfekt.

Stärken

Der Thriller wird sehr schnell erzählt, die Handlung ist verdichtet. Man muss sich schon konzentrieren. Auch das ist gut. Die Dialoge sind brillant, teilweise schnodderig, kompromiss- oder schonungslos, manchmal auch witzig, aber nie langweilig. Als Mafioso Barry Muldano zum Beispiel beim Showdown die Leiche des Senators aus dem zubetonierten Boden buddelt, verkündet er stolz „Tag der Auferstehung, alte Ratte!“ Des öfteren gibt es überraschende Situationen, in denen die Protagonisten ihren Trickreichtum demonstrieren können. Als der Staatsanwalt und das FBI zum Beispiel den Jungen verhören und unter Druck setzen, zeichnet der heimlich das Gespräch auf, das Reggie dann gegen die Ordnungshüter verwendet. Eine wunderbare Szene.

Antagonisten

Einfach genial ist Sergeant Hardy, der den Jungen maximal unter Druck setzt. Mit einer Dose Limonade verschafft er sich Marks Vertrauen, aber die hat er ihm nur geschenkt, um an seine Fingerabdrücke zu kommen. Hardys sadistische Ader offenbart sich, als er dem Jungen prophezeit, auf einem elektrischen Stuhl in Kindergröße zu enden, wenn er nicht kooperiert. Unkorrekter geht’s eigentlich nicht. Eine derartige Drohung wäre in deutschen Filmen wohl undenkbar.

Gangster

Leider können die Mafiosi da nicht ganz mithalten. Barry sieht aus wie ein schmieriger Zuhälter, ist dumm wie Bohnenstroh und immer wieder für unfreiwillige Lacher gut. Seine Gangsterkollegen sind auch nicht viel besser. Einmal setzt nachts ein Mafioso dem Jungen im Krankenhaus als verkleideter Arzt ein Messer an die Kehle. Da gibt es so etwas wie eine tödliche Bedrohung. Ansonsten geht von den Gangstern praktisch keine Gefahr aus. Schon bemerkenswert. Die schwarze Stretchlimousine visualisiert die dramatischen Defizite: Sie gehört bezeichnenderweise nicht den Mafiosi, sondern dem Staatsanwalt.

Fazit

Die Darstellung der Mafiosi ist zwar spannungsmindernd, tut dem Vergnügen aber insgesamt keinen Abbruch. Insofern ist „Der Klient“ auch kein lupenreiner Thriller. Immer wenn die Gangster auftauchen, dominiert das Komödiantische, also auch eine Thrillerkomödie. Desgleichen ist das Happy-End nicht lupenrein. Denn Mark wird zusammen mit seiner Familie in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen und seine neu gewonnene Freundin nie wiedersehen. Nur Reggies private Situation bleibt, wie sie ist: Durch ihre Vergangenheit als Alkoholikerin hat sie nach wie vor kein Besuchs- und Sorgerecht für ihre Kinder. Auch das ist eine stimmige Entscheidung.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 5 blaue Smileys und 2 schwarze traurige Gesichter für Joel Schumachers Der Klient.

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Farbiges Cover des Romans "Der Klient" von John Grisham.


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Die Filzlaus (Édouard Molinario) F 1973

„Die Filzlaus“ ist eine französische Thrillerkomödie nach einem Theaterstück von Drehbuchautor Francis Veber („Le contrat“), der neben Billy Wilder („Buddy Buddy“) auch für das Remake aus dem Jahr 2008 verantwortlich war. Der Film hat eine geniale Grundidee: Profikiller Ralph Milan (Lino Ventura) mietet sich in einem Hotelzimmer ein, um vor dem gegenüberliegenden Gerichtsgebäude einen Belastungszeugen zu liquidieren. Dummerweise will der Oberhemdenvertreter Francois Pignon (Jacques Brel) just in diesem Moment im Nachbarzimmer Selbstmord begehen. Das würde natürlich die Polizei alarmieren und den Auftragsmord gefährden. Also muss der Killer sich um den Lebensmüden kümmern. Ein einfacher und verständlicher Plot, der Ernst Lubitschs Definition einer Komödie („Something goes wrong“) auf den Punkt bringt.

Odd-Couple

„Die Filzlaus“ demonstriert auch, welch dramatisches Potenzial eine Odd-Couple-Konfiguration beinhaltet, heißt: Man konfrontiert zwei völlig gegensätzliche Charaktere in einer Situation, aus der es erstmal kein Entkommen gibt. Man kettet sie sozusagen aneinander. Denn für Killer Ralph Milan ist es eine ideale Location, um seinen Job zu erledigen. Für Francois ist das Leben nach einem letzten gescheiterten Telefonat mit seiner Frau Louise hier zu Ende. Das ist zwar ein Zufall, den man aber zu Beginn eines Films noch am besten schlucken kann, wie z.B. in „Juror#2“ oder in „Der Tod und das Mädchen“. Jedenfalls ist die Gefahr von Langeweile bei einer Konfrontation derart konträrer Protagonisten eher gering.

Suspense

Ein weiterer Pluspunkt ist der Informationsfluss. Nur die Zuschauer wissen zusammen mit Ralph Milan (und seinen nicht präsenten Auftraggebern) von dessen Mordplänen. Dieses Geheimnis fesselt einen ans Geschehen, lässt einen mitfiebern, sogar mit einem Killer. Irgendwann drücken wir ihm sogar die Daumen, dass er’s hinkriegt. Erst als Francois am Schluss das Gewehr in Ralphs Hotelzimmer entdeckt, ist dieses Geheimnis gelüftet. So ist das richtig. 

Figuren

Nichts gegen Walter Matthau, der die Rolle des Killers in Billy Wilders Remake spielt, aber Lino Ventura (seine Biografie liest sich wie ein Abenteuerroman) ist einfach genial. Es ist so, als ob alle vorherigen Rollen – Gangster, Agenten, Kommissare usw. – in dieser Figur kulminieren. Mürrisch, stoisch und wortkarg versucht er, dem sich anbahnenden Unheil zu entkommen. Vergeblich. Aus dem Jäger wird ein Gejagter. Lino Venturas reduziertes, fatalistisches Mienenspiel spricht Bände. Er muss nicht viel sagen. Wenn schon, dann solche Sätze: „Wollen Sie etwa in einer Bullenkutsche in eine Sterbelaube kutschiert werden?“ Ralph Milan ist ein Killer, der unser Mitgefühl hat – eher selten in der Filmgeschichte. 

Freundschaft

„Die Filzlaus“ ist mehr als eine Slapstickkomödie. Killer Ralph Milan ist ein Misanthrop, ein Zyniker, letztlich ein einsamer Mensch, der sich wundert, wieso man sich wegen einer Frau umbringen kann. Vorgeblich hilft er der Nervensäge oder rettet ihr das Leben, um seinen Job zu machen. Aber man hat immer das Gefühl, dass hinter dieser knallharten Fassade mehr steckt, dass es nur enttarnt werden will und Francois schafft das. Irgendwann hängt der coole Killer an der Angel. Er würde es sich selbst und anderen nie eingestehen, aber Francois ist ihm ans Herz gewachsen, spätestens als der ihm zum Dank ein Hemd aus seiner Kollektion vermachen will. Damit erinnert die Geschichte auch an Patricks Lecontes „Mein bester Freund“, der sie mit ähnlichen Charakteren nur vordergründiger erzählt.

Schwächen

Der erste Zufall ist leider nicht der einzige. Als Ralph die Nervensäge zu seiner Frau chauffieren will, um ihn unterwegs umzubringen, kollidieren sie zufällig mit einem PKW, in dem sich zufällig eine schwangere Frau mit ihrem Mann befindet. Zufällig anwesende Polizisten auf Motorrädern eskortieren das skurrile Quartett zur nächsten Klinik. Das ist zwar witzig, aber schon arg konstruiert. Damit sind wir beim nächsten Schwachpunkt. Das ist die dilettantische Polizeiarbeit. Denn die beiden Polizisten müssten im Anschluss eigentlich die Personalien der Unfallbeteiligten ermitteln. Tun sie aber nicht. Desgleichen bleibt später Ralphs Flucht in seinem Wagen vor einer Polizeisperre folgenlos. Ein einziges Mal geht ein Inspektor dem Hinweis von Kollegen nach und ermittelt in den Hotelzimmern von Killer und Selbstmörder. Insgesamt hätte man die Polizeiarbeit glaubhafter und dramatischer gestalten können.

Louise

Auch die Wankelmütigkeit von Louise wirkt etwas konstruiert. Mal zeigt sie Francois die kalte Schulter, dann wendet sie sich ihm plötzlich wieder zu. Nun gut, Dr. Fuchs, ihr neuer Freund, erweist sich ja als ziemlich rabiat und die angesprochene Langweile in der Beziehung mit Francois hat sich mit Ralphs Erscheinen auch verflüchtigt. Es gibt also Veränderungen, die sich auch daran zeigen, dass Francois um sie kämpft und zeigt, dass er sie tatsächlich liebt.

Fazit

Auch die lakonischen Ellipsen passen zur ironischen Grundstimmung des Films. Am Ende sieht man Ralph und Francois im Hof eines Gefängnisses ihre Runden drehen. Das letzte Wort hat natürlich „Die Filzlaus“, die hofft, demnächst zusammen mit Ralph in eine Zelle verlegt zu werden. Grandios.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 5 blaue Smileys und 2 schwarze traurige Gesichter für Die Filzlaus.

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One Battle After Another (Paul Thomas Anderson) USA 2025

Geht doch, Paul Thomas. „One Battle After Another“ ist ein skurriler, spannender Revoluzzer-Thriller, der eine sehr schöne Grundstimmung hat. Ganz anders als zum Beispiel in „Magnolia“ behandelt Anderson seine hervorragend besetzten und agierenden Figuren geradezu liebevoll. Keine depressive Stimmung. Gut so. Die Konfrontation von linken Agitatoren mit rechtskonservativen, religiösen Eiferern könnte man als satirische Metapher deuten. Ist sie aber nicht. Nicht nur die aktuelle Titelstory des SPIEGEL – „Gotteskrieger“ – belehrt uns eines Besseren. Die Realität hat die vermeintliche Überspitzung längst eingeholt. Darauf deutet auch der teilweise dokumentarische Stil dieses Porträts einer zutiefst zerrissenen Gesellschaft hin.

Die Geschichte

Eigentlich ist es eine Vierecksgeschichte. Da sind zum einen die linke Aktivistin Perfidia sowie ihr Partner, der Sprengstoffexperte „Ghetto Pat“ (Leonardo DiCaprio). Zum anderen stößt Perfidia bei einer gewaltsamen Befreiung von Migranten auf den rassistischen ICE-Offizier Colonel Lockjaw (Sean Penn) – der Beginn einer bizarren sexuellen Beziehung. Die endet erst als die inzwischen schwangere Perfidia nach einem Banküberfall verhaftet wird. Unter Druck verrät sie Namen und Adressen ihre Mitstreiter und wird als Gegenleistung in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Ausgestattet mit einer neuen Identität gelingt ihr die Flucht nach Mexiko.

16 Jahre später

Der Colonel will Mitglied des elitären „Christmas Adventures Club“ werden, eines klerikalen Geheimbundes mit mafiösen Strukturen. Die Sünden der Vergangenheit würden einer Aufnahme im Wege stehen. Deshalb spürt Lockjaw den Aufenthaltsort des drogenabhängigen Pat und seiner 16-jährigen Tochter Walla auf. Aber mit Hilfe eines immer noch funktionierenden Untergrundnetzwerkes können die Gejagten auf getrennten Wegen vorerst fliehen. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd gelingt es dem Colonel, Walla doch noch gefangen zu nehmen. Ein DNA-Test bestätigt seine Vaterschaft. Lockjaw sieht nur einen Ausweg: Ein bezahlter Killer soll seine Tochter töten. Aber dem Mädchen gelingt erneut die Flucht. Zusammen mit Pat kann sie sich ihrer Verfolger entledigen. Der bei der Verfolgungsjagd arg ramponierte Colonel wird am Ende von Mitgliedern des Geheimbundes liquidiert. 

Stärken

Leonardo DiCaprio in seiner Rolle als bekiffter, gammliger Pseudo-Vater, der in seiner Verwirrung über sich hinauswächst, ist einfach brillant. Ebenso Sean Penn als etwas unterbelichteter, rassistischer Colonel, der sich zu Höherem berufen fühlt, bis er in Flammen aufgeht. Auch die ganzen Nebenrollen sind exquisit besetzt: Wallas Freunde, die Mitglieder des Geheimbundes, die Aktivisten usw. Sehr schön auch die ins Spiel gebrachte Selbstironie: Wenn Pat sich beim wiederholten Telefonat mit seinen Mitstreitern partout nicht an den Erkennungscode aus dem „Handbuch für Revolutionäre“ erinnern kann, dann ist das schon witzig. Außergewöhnlich ist auch die Verfolgungsjagd auf den hügeligen Landstraßen im Südwesten der USA. Der Killer des Geheimbundes ist hinter dem Colonel und Walla her, Pat hintendran. Das ganze Auf und Ab ist schon super gemacht, auch der Trick, mit dem Walla den Killer außer Gefecht setzt.

Schwächen

Wieder macht Anderson den Fehler, seinen Film fast komplett mit Musik zu unterlegen und zwar so penetrant, dass die Dialoge teilweise in den Hintergrund treten. Auch in „One Battle After Another“ scheint es so, als würde Anderson seiner Geschichte und seinen Figuren nicht recht trauen. Schade. Die blutige Ballerei unter den Auftragskillern gegen Ende des Films ist überflüssig. Es geht doch nur darum, dass Walla in den Besitz des Fahrzeugschlüssels gelangt und ihre Flucht fortsetzen kann. Das hätte man auch unblutiger und eleganter lösen können. Den nachfolgenden Mordversuch am Colonel durch den Killer des Geheimbundes hätte das Opfer eigentlich nicht überleben können. Bisschen merkwürdig und ebenfalls überflüssig, weil er doch kurz darauf sowieso liquidiert wird. Der entscheidende Schwachpunkt ist aber derselbe wie zum Beispiel in John Cassavetes „Gloria“: Die Geschichte ist nicht zu Ende. Denn genauso wie die Mafia in „Gloria“ wird auch der Geheimbund nicht ruhen, bis alle Zeugen dieses Malheurs beseitigt sind. Also können Pat und Walla am Ende eigentlich nicht in Ruhe in ihrem Haus weiterleben.

Lösungen

Auf die Kraft und die Macht der Geräusche zu setzen, wäre viel effizienter als die gesamte Tonebene mit aufdringlicher Filmmusik zuzukleistern. Hier könnten zum Beispiel die Filme von Robert Bresson, „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang, die Experimentalfilme von Dziga Vertov, das Opening von „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder das „Manifest zum Tonfilm“ Vorbilder sein. Jedenfalls wäre eine intensive Beschäftigung mit den gestalterischen Möglichkeiten auf der Tonebene sinnvoll. Das Ende müsste so aussehen: Pat flieht zusammen mit seiner Ziehtochter nach Mexiko, denn der Geheimbund hat ja beschlossen, für „Sauberkeit“ zu sorgen. Wie, das haben sie ja demonstriert. Dieses Ende wäre auch eine Ironie dieser Geschichte: Man flieht nicht in die USA, sondern aus dem Land.

Fazit

Insgesamt macht dieser skurrile Thriller – trotz seiner Defizite – einfach Spaß. Wir dürfen gespannt sein, wie dieser Kampf weitergeht – One After Another.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 5 blaue Smileys und 2 schwarze traurige Gesichter für Paul Thomas Andersons One Battle After Another.

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Der Clan der Sizilianer (Henri Verneuil) F 1969

„Der Clan der Sizilianer“ von Henri Verneuil ist ein spannender Gangsterthriller, der auf einer Romanvorlage von Auguste Le Breton beruht. Er ist ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem sizilianischen Manalese-Clan und dem Gangster Roger Sartet (Alain Delon) auf der einen und der Polizei unter Leitung von Inspector Le Goff (Lino Ventura) auf der anderen Seite. Der Thriller kann mit einer dichten Atmosphäre, vielen Suspense-Situationen und Wendungen überzeugen. Das 60er-Jahre-Flair mit seinen Bars, Hotels und Geschäften ist eine attraktive Zeitreise, untermalt von Enno Morricones origineller Filmmusik.

Die Geschichte

Der in Paris ansässige Manalese-Clan, angeführt von Patriarch Vittorio (Jean Gabin), plant einen Juwelenraub in Rom. Zur Durchführung wird der einsitzende Gangster Roger Sartet in einer spektakulären Aktion aus einem Gefangenentransporter befreit. Ihm auf den Fersen ist der knurrige Inspector Le Goff. Da die Sicherheitsvorkehrungen der Juwelenausstellung unüberwindbar scheinen, plant Vittorio zusammen mit seinem New Yorker Kumpan Tony Nicosia, die Juwelen beim Weitertransport zur nächsten Ausstellung zu stehlen. Tatsächlich klappt der waghalsige Plan einer Flugzeugentführung und Le Goff hat ein weiteres Mal das Nachsehen. Doch dann erfährt er durch ein abgehörtes Telefonat von Rogers Rückkehr nach Paris. Am Flughafen kann er zumindest Manaleses Söhne festnehmen, während Roger ein weiteres Mal entkommt. Der wird allerdings bei einer Geldübergabe von Vittorio erschossen. Am Ende wird auch der alte Patriarch von Le Goff verhaftet.

Suspense

Das ist einer der großen Stärken dieses Thrillers. Immer wieder wird der Zuschauer mit Informationen gefüttert und hängt dadurch an der Angel. Man sieht wie Roger mit einem Akkubohrer den Metallboden des Transporters auffräst, wovon der wachhabende Polizist und seine Begleiter nichts mitbekommen. Bei einer Inspektion des Wachhabenden zittern wir mit dem Gangster mit, dass er unentdeckt bleiben möge. Das ist Suspense! Desgleichen als Rogers die Rolle des britischen Versicherungsagenten Evans beim Weitertransport einnimmt und dessen Frau am Pariser Flughafen vergeblich ihren Mann unter den Begleitern sucht. Das ist sehr schön parallel montiert und schafft Spannung. Ein weiteres Mal fiebern wir mit dem Gangster mit. So ist das richtig.

Die Figuren

Die Charakterisierungen gehören zu den Defiziten von „Der Clan der Sizilianer“. Roger ist ein wenig einfach gestrickt und im Zweifelsfall nah an der Bleispritze gebaut. So bringt er sich und die Manaleses unnötig in Gefahr als er seinen Unterschlupf verlässt, um sich in einem Stundenhotel zu vergnügen. Ein anderes Mal führt er ein Telefonat mit seiner Schwester, das aber von der Polizei abgehört wird. Später lässt er sich am helllichten Tag (!) zu einem Liebesakt am Mittelmeerstrand mit Vittorios Schwiegertochter hinreißen. Eine Unvorsichtigkeit, die ihm später zum Verhängnis wird. Insgesamt wäre es ganz schön gewesen, ihn etwas schlauer und raffinierter zu skizzieren.

Der Manalese-Clan

Unklar bleibt bis zum Schluss, was die Manaleses eigentlich mit Roger wollen, zumal sie seine Gewaltbereitschaft verabscheuen und sein Fahndungsfoto überall präsent ist? Außerdem traut Vittorio dem Franzosen doch nicht über den Weg, wie er ihm offen gesteht. Ein Experte in Überwachungstechnik wäre für den Juwelenraub eigentlich viel geeigneter gewesen. Jean Gabin ist als krimineller Patriarch eher eine Fehlbesetzung. Einen sizilianischen Mafiaboss stellt man sich irgendwie anders vor. Hier stand wahrscheinlich der Wunsch im Vordergrund, die Granden des französischen Kinos noch einmal zusammenzubringen?

Der Kommissar

Aber Inspector Le Goff ist eine überzeugende Figur. Scheinbar hat er ein Hühnchen mit Roger zu rupfen, so hartnäckig hängt er an ihm dran. Das erinnert an die Verfolgung des Urkundenfälschers Frank Abagnale jr. durch den FBI-Agenten Carl Hanratty in „Catch me if you can“ von Steven Spielberg. Le Goff hat stets eine Zigarette im Mundwinkel hängen, die er nicht anzündet, weil er ja das Rauchen aufgegeben hat. Da ist schon klar, dass der Moment kommen wird, in dem er seinen Vorsatz aufgibt. Und der ist sehr schön platziert, nämlich als der Inspector erfährt, dass die Gangster ihm in New York ein weiteres Mal durch die Lappen gegangen sind. Da kommt es ganz lapidar im Kreis seiner Kollegen: „Gib mir Feuer.“ Mehr Worte bedarf es auch nicht. Damit ist alles gesagt. 

Festival der Ungereimtheiten

Es fängt damit an, dass der jüngste Spross der Manaleses mit einem Wachmann neben Roger auf einer Holzbank vor dem Saal des Untersuchungsrichters sitzt. Während ein korrupter Polizist Roger heimlich einen Akkubohrer zusteckt, geht der andere mit dem Manalese-Sprössling auf die Toilette, wo dem offensichtlich die Flucht gelingt. Abgesehen davon, dass dieser Ausbruch nicht erzählt wird, liegt ein Zusammenhang mit Rogers Befreiung doch auf der Hand. Ergo hätte die Polizei sofort bei den Manaleses auftauchen und eine Überwachung in die Wege leiten müssen und nicht erst viel später. Außerdem fragt man sich, warum die Polizei Vittorio nach der Flugzeugentführung nicht sofort verhaftet? Die Kidnapper waren doch nicht maskiert, also kennt man ihre Identitäten. Schon merkwürdig, dass Vittorio anschließend in Paris unbehelligt herumwandern kann.

Als Tony Nicosia in New York Roger seinen Anteil nicht auszahlt, ist diese Absicht doch durchschaubar. Roger soll nach Paris gelockt werden, was er dann zum eigenen Nachteil ja auch tut. Aber warum lässt er sich darauf ein? Warum geht er Tony Nicosia in diesem Moment nicht an die Gurgel? Auch Vittorios Schwiegertochter verhält sich nicht sonderlich clever als sie Rogers Schwester von der Rückkehr ihres Bruders nach Paris informiert. Damit hat die Polizei alle Informationen, um die Gangster festzunehmen bzw. die Leichen einzusammeln, womit wir beim Schluss des Thrillers sind.

Showdown

Das Finale von „Der Clan der Sizilianer“ ist eine Lachnummer. Für den Erhalt seines Anteils aus dem Juwelenraub wählt Roger einen einsamen Parkplatz. Zwei Autos stehen sich gegenüber. Auf der einen Seite steigt Vittorio mit seiner Schwägerin aus, auf der anderen Roger. Beide Männer haben ihre Hände tief in ihren Manteltaschen vergraben. Warum wohl? Vittorio wirft Roger einen Koffer mit Geld zu. Die Überprüfung nutzt Vittorio, um Roger über den Haufen zu schießen. Auch seine Schwägerin, die sich schützend in den Weg stellen will, muss dran glauben. Roger, Roger – kann man da nur sagen. Hast du denn nie gut gemachte Gangsterfilme gesehen? So etwas muss man doch anders durchziehen. Letztlich bricht ihm seine Einfältigkeit das Genick, weshalb sein Ableben auch keine allzu großen Gefühle hervorruft.

Fazit

Die Vorzüge dieses spannenden Gangsterthrillers werden durch seine Mängel in der Figurenentwicklung und den vielen Ungereimtheiten leider egalisiert.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 4 blaue Smileys und 3 schwarze traurige Gesichter für Der Clan der Sizilianer.

Black Bag (Steven Soderbergh) USA 2024

Dieser Spionage-Krimi (kein Thriller) ist einfach nur enttäuschend. Immerhin hat Steven Soderbergh mal so brillante Thriller wie „Traffic – Macht des Kartells“ hergestellt. Aber das ist lange her, über 20 Jahre. „Black Bag“ ist eine mäßig spannende, stilisierte, manierierte, antiquierte, theatralische Agatha-Christie-Variante im Agentenmilieu. Ein sogenanntes Whodunit, ein Rätselspiel, das Alfred Hitchcock einst wie folgt bewertet hat: „Das Whodunit erweckt Neugier, aber ohne jede Emotion“. Genau das ist das zentrale Problem von „Black Bag“: Es entstehen keine Gefühle. Zudem gibt es eine Fülle von Unglaubwürdigkeiten.

Story

In einer Einheit des britischen Geheimdienstes SIS gibt es einen Maulwurf. Ein internes Computerprogramm, das einen Atomreaktor zur Kernschmelze bringen kann, ist entwendet worden. Ein Missbrauch würde eine nukleare Katastrophe zur Folge haben. Agent George Woodhouse (Michael Fassbender) bekommt eine Liste mit fünf Verdächtigen, unter denen sich auch der Name seiner Frau befindet. Innerhalb einer Woche will er den Verräter finden und eliminieren, was er dann auch schafft.

MacGuffin

Das Computerprogramm „Severus“ ist ein sogenannter MacGuffin, den Hitchcock wie folgt definiert: „Das ist eine Finte, ein Trick, ein Dreh … Macguffin ist also einfach eine Bezeichnung für den Diebstahl von Papieren, Dokumenten, Geheimnissen. Im Grunde sind sie ohne Bedeutung …“ Hier ist es ein MacGuffin von fragwürdiger Qualität: Wieso sollte denn die Kernschmelze eines Reaktors zum Sturz des russischen Regimes führen? Es könnte auch genau das Gegenteil passieren, nämlich dann, wenn es dem Regime gelingt, die Verursacher zu identifizieren und an den Pranger und sich als Opfer hinzustellen. Darin sind solche Regimes doch geübt, vorzugsweise mit Vorgängen, die nicht auf Tatsachen beruhen. Die Qualität dieses MacGuffins ist Ausdruck der Qualität dieses Films.

Dramaturgie

Spannung entsteht eigentlich nur ein einziges Mal, als George mit seiner Kollegin Clarissa in einem Zeitfenster von gut drei Minuten mittels eines Satelliten seine Frau in Zürich ausspioniert. Da gibt es so etwas wie zeitlichen Druck, der tödliche Konsequenzen haben könnte. Ansonsten gerät George kein einziges Mal in Gefahr. Von einem klassischen Erzählmotiv und Suspense ist weit und breit nichts zu sehen. Der Spannungsaufbau ist ein Armutszeugnis.

Figuren

„Ich dachte schon, du bist ein Mensch“, wirft Clarissa unserem Helden irgendwann vor. Genau das ist ein weiteres zentrales Problem dieses Films: George agiert emotionslos im Stile eines Roboters. Diese ganze Künstlichkeit geht nicht spurlos am Zuschauer vorbei. Irgendwann überträgt sie sich. Aber Film ist „Reaction“ und nicht „Action“ (Dudley Nichols). In „Black Bag“ dominiert die Kälte. Es knistert nicht zwischen den Personen. Auch im Schlafzimmer begegnen sich George und seine Frau sittsam in Schlafanzügen. Irgendwann sind einem diese ganzen stocksteifen Figuren auch egal. Ein weiterer Schwachpunkt ist der Antagonist James, der ein Dummkopf ist (s.u.), was Hitchcock wie folgt auf den Punkt bringt: „Je gelungener der Schurke, umso gelungener der Film“.

Machart

Dass der Film ohne Action auskommt, sollte man ihm nicht vorwerfen, obwohl es für einen Spionagefilm schon bemerkenswert ist. Was man ihm vorwerfen kann, ist folgendes: Im Intro begleiten wir den Helden in einer minutenlangen Einstellung von hinten. Wir sehen nur seinen Rücken. Wir sehen auch nicht richtig, was vor ihm ist. Das ist ja von seinem Körper verdeckt. Was sollen solche Aufnahmen bewirken? Später dürfen wir George – wieder von hinten – noch einmal durch die Büroräume des SIS begleiten. Das Ambiente ist sehr stylish, luxuriös, glamourös – so wie Agenten eben leben. Die jazzige Percussion-Filmmusik passt gut zum künstlichen Geschehen. Wieder hat Soderbergh neben der Regie auch die Kamera geführt. Auch das ist ein Fehler. Eine Filmcrew ist ein Team, in dem sinnvollerweise die einzelnen Bereiche auf mehreren Schultern verteilt sind. Seine egomanischen Anwandlungen sind in etwa vergleichbar mit den Ambitionen eines Fußballers, neben der Position des Innenverteidigers auch noch die des Torwarts auszufüllen. Das schmälert natürlich die Chancen des Teams auf ein erfolgreiches Spiel.

Weitere Ungereimtheiten

Als George eine Kinokarte im Papierkorb seiner Frau findet, ist die Manipulation eigentlich offensichtlich. Warum erkennt ein geschulter Agent wie George nicht sofort diese Falle? Die therapeutischen Gespräche von Dr. Vaughan und ihren Klienten sind eine Lachnummer, insbesondere ihr Trennungsgespräch mit „Bösewicht“ James. Warum sollte der eigentlich allein mit George eine Bootsfahrt auf dem einsamen See unternehmen? Die Gefahr einer tödlichen Konfrontation liegt doch auf der Hand. Am Schluss sitzen alle fünf Verdächtigen wieder am Essenstisch, auf dem eine geladene Pistole platziert ist. Da weiß doch jedes Kind, dass die keine Patrone enthält. Jedes Kind? Nein. Nur unser „Antagonist“ James nicht. Der greift nämlich zur Waffe, outet sich und feuert Platzpatronen ab. Das war’s dann für ihn. Dümmer geht’s nimmer. Erstaunlich auch, wer da alles eine Affäre mit wem hatte. Da wird Dr. Vaughan, die eigentlich mit James liiert ist, als Geliebte von Agent Freddie enttarnt. Chef Meacham scheint es gleich mit mehreren zu treiben, bis er ins Gras beißen muss. Nur, was hat das alles mit der eigentlichen Geschichte zu tun? Wahrscheinlich gibt sie sonst zu wenig her?

Fazit

„Black Bag“ ist ein ödes, uninspiriertes Verwirrspiel.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms, hier 1 blauer Smiley und 6 schwarze traurige Gesichter für "Black Bag".

Muzzle (John Stalberg jr.) USA 2023

Der Copthriller „Muzzle“ von John Stalberg jr. punktet mit originellen Figuren, Locations und einem klassischen Erzählmotiv, nämlich Rache. Officer Jake Rosser (Aaron Eckhart) gerät bei einem Polizeieinsatz in einen Hinterhalt. Dabei werden nicht nur zwei Kollegen getötet, sondern auch sein Schäferhund Ace. Weil der Fall ein paar Ungereimtheiten aufweist, beginnt Jake auf eigene Faust herumzuschnüffeln (Muzzle heißt Schnauze). Der Plot erinnert an den Actionthriller „John Wick“. Der ist allerdings – zum Nachteil der Russenmafia – wesentlich bleihaltiger. In „Muzzle“ müssen am Ende chinesische Gangster dran glauben.

Stärken

Jake ist ein Kriegsveteran, ein Dickkopf und Eigenbrötler. Unterhaltungen pflegt er mit seinem Hund zu führen, mit Menschen eher widerwillig. Mit denen scheint er schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Jake ist keine sympathische, aber eine interessante Figur. Vorbildlich ist auch die Konzentration auf den Helden. Es gibt praktisch keine Szene, in der Jake nicht präsent ist. Hervorragend ist das Casting und die Ausstattung der Milieus, vor allem der Obdachlosen auf den Straßen von Los Angeles. Die Kameraarbeit ist herausragend. Da waren Könner am Werk. Sehr schön ist auch die Annäherung Jakes an seinen neuen Schäferhund, den traumatisierten Socks. Das Hundetraining ist fesselnd eingefangen. Überhaupt sind das die Stärken dieses Films, wenn er ganz ruhig, fast dokumentarisch die Polizeiarbeit oder aufkeimende Freundschaften beschreibt.

Schwächen

Die Darstellung der chinesischen Mafiosi wirkt eher kurios. Warum werden Drogengangster immer so klischeehaft in Szene gesetzt? „Anora“ von Sean Baker zeigt wie’s gemacht wird. Die Story entwickelt sich irgendwann ziemlich wirr und abstrus. Kollege Officer Hernandez ist Jake auf dem Revier erst feindlich gesinnt. Warum er sich dann auf dessen Seite schlägt und beim Showdown Schützenhilfe leistet, erfahren wir nicht. Überhaupt hat Jake zu viele Helfer. Da ist auch noch seine Kollegin, Detective Ramos, die ihn wiederholt und illegal mit Informationen füttert. Dramatischer wäre es natürlich, wenn Jake bei seinen Ermittlungen ganz auf sich allein gestellt wäre.

Weitere Ungereimtheiten

Warum richtet Santiago, Chef der Holzverarbeitung, Hunde für die chinesische Drogenmafia ab? Sollen die deren Lager sichern, was die Gangster ja auch anders bewerkstelligen könnten? Oder fungieren die Hunde als Drogenkuriere? Auch das erfahren wir nicht. Nachbarin Mia hat keine Handlungsrelevanz. Dieser Nebenerzählstrang zeigt am Ende nur, dass Jake auf dem Weg der Genesung ist. Am Ende unterhält er sich nicht mehr mit seinem Schäferhund, sondern mit seinem Baby.

Fazit

„Muzzle“ ist teilweise sehr gut gemacht, bevor er im zweiten Teil aus der Spur gerät.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 4 blaue Smileys und 3 schwarze traurige Gesichter für Muzzle.

Der fremde Sohn (Clint Eastwood) USA 2008

Nichts für schwache Nerven. Clint Eastwood demonstriert mit „Der fremde Sohn“ mal wieder sein Gespür für das dramatische Potenzial von Filmstoffen, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Der Psychothriller behandelt die Wineville-Chicken-Coop-Morde, die sich in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts in der Nähe von Los Angeles ereigneten. Die absurd anmutende Geschichte würde wohl ohne dieses Hintergrundwissen als völlig unglaubwürdig eingestuft werden, als Machwerk eines durchgeknallten Autors. Aber gerade dieses Wissen um die wahren Begebenheiten steigert die Fassungslosigkeit des Betrachters angesichts dessen, was der Heldin Christine Collins (hervorragend: Angelina Jolie) da widerfährt.

Die Geschichte

Christine ist alleinerziehende Mutter des neunjährigen Walter. Als sie eines Abends von der Arbeit kommt, ist der Junge verschwunden. Alle Nachforschungen, bei dem das LAPD keine große Hilfe ist, verlaufen im Sande. Erst als Reverend Briegleb in seinen Predigten die mafiösen Strukturen der Polizei anprangert und die Presse mobilisiert, kommt Bewegung in den Fall. Das LAPD braucht Erfolgserlebnisse und erklärt kurzerhand einen aufgefunden Jungen gleichen Alters als den vermissten Walter. Christine wehrt sich gegen diese Willkür und wird schließlich ohne richterliche Anordnung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Parallel stößt ein Detective des LAPD bei seinen Ermittlungen auf die Serienmorde des Kanadiers Gordon Northcott, der auf seiner Farm dutzende von Kindern missbraucht und getötet hat. Es stellt sich heraus, dass auch Walter auf der Farm gefangen gehalten wurde. Nach Intervention des Reverends wird Christine schließlich wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Bürgermeister und die verantwortlichen Polizisten werden von ihren Ämtern suspendiert. Christine gibt ihre Hoffnung nicht auf, dass ihr Sohn doch noch am Leben sein könnte.

Stärken

Die besten Filme haben ganz einfache und verständliche Geschichten. Das ist einer der Vorzüge von „Der fremde Sohn“. Er konzentriert sich auf das Verschwinden eines Kindes und der daraus resultierenden Sorge seiner Mutter, die in albtraumhaften Sequenzen vorbildlich eskaliert wird. Anstatt Hilfe zu erfahren, gerät Christine in die Fänge eines sadistischen Psychiaters. Diese schreiende Ungerechtigkeit erzeugt Emotionen. Angelina Joli hätte man diese ergreifende Darstellung einer Charakterstudie gar nicht zugetraut. Als Captain Jones sie zum Beispiel am Arbeitsplatz aufsucht und ihr mitteilt, dass man Walter gefunden hat, geht ihre Reaktion schon unter die Haut. Am Ende gibt es Hoffnung, auch weil sie allmählich ins Leben zurückkehrt und sich mit dem fürsorglichen Ben verabredet.

Schwächen

Gut und Böse sind klar verteilt. Das trägt einerseits zum Verständnis bei, andererseits sorgt es nicht gerade für Überraschungen, zumal die Figuren im Verlauf der Geschichte keine Entwicklungen erfahren. Dann hat Christine zu viele wohlgesonnene Helfer, zum Beispiel den Reverend und Anwalt Hahn. Das ist zwar ganz schön, wenn sie Unterstützung erfährt, aber nicht dramatisch. Hier wäre die Etablierung von Hindernissen vorteilhaft gewesen. Entscheidender Schwachpunkt ist aber die frühe Terminierung von Christines Freilassung aus der psychiatrischen Klinik. Ab diesem Moment sackt der Spannungsbogen rapide nach unten. Ihre Freilassung hätte natürlich am Schluss platziert werden müssen, quasi als Folge des Gerichtsprozesses, in dem Captain Jones und Chief Davis suspendiert werden. 

Fazit

„Der fremde Sohn“ ist ein hervorragend gemachter Psychothriller, brillant fotografiert und inszeniert, mit dramaturgischen Schwächen im letzten Drittel.

7 Emojis zur Bewertung eines Spielfilms stellvertretend für die 7 Säulen der Filmgestaltung, hier 5 blaue Smileys und 2 schwarze traurige Gesichter für Clint Eastwoods Der fremde Sohn.

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Wenn es Nacht wird in Paris (Jacques Becker) F 1954

„Wenn es Nacht wird in Paris“ von Jacques Becker ist ein ruhiger und konzentrierter Gangsterthriller, der die Geschichte einer Männerfreundschaft erzählt. Neben den beiden Ganoven Max (Jean Gabin) und Riton (René Dary) gibt es einen weiteren Protagonisten: Das ist das nächtliche Paris mit seinen Bars, Clubs, Restaurants, Treppenhäusern, Straßen und Menschen, die es mit Leben füllen. Kameramann Pierre Montazel setzt diesem Milieu in schattendurchsetzten Schwarzweiß-Bildern ein Denkmal.

Die Geschichte

Nach einem letzten Coup wollen die Gangster Max und Riton sich zur Ruhe setzen. Doch Drogendealer Angelo (Lino Ventura) will ihnen die Beute, Goldbarren im Wert von 50 Millionen Franc, wieder abjagen. Er weiß um die Freundschaft der beiden, entführt Riton und erpresst Max zur Herausgabe des Goldes. Doch der Austausch des Gefangenen gerät beim bleihaltigen Showdown zum Fiasko. Alle Kidnapper sterben, das Gold geht verloren und Riton wird schwer verletzt. Trotz ärztlicher Versorgung erliegt er kurz darauf seinen Verletzungen. Max steht mit leeren Händen da.

Machart

„Wenn es Nacht wird in Paris“ kommt gänzlich ohne Polizei und Brutalitäten aus, sieht man mal vom Feuergefecht im Finale ab. Der Film noir konzentriert sich ganz auf die Männerfreundschaft und die Abwicklung des letzten Coups. Frauen sind mehr oder weniger Staffage. Sehr schön ist die Szene in einer von Max angemieteten Wohnung, in der die Freunde im Stile eines alten Ehepaares agieren. Riton reklamiert das unbequemere Schlafsofa für sich, putzt sich im Bad die Zähne und überprüft sein Spiegelbild. „Schau dich an“, hat Max ihm zuvor geraten. „Wir sind alt geworden. Es ist Zeit aufzuhören“. Eine Erzählerstimme beschreibt sein Verhältnis zu Riton, in dem er über den Freund lästert, ohne seine Gefühle verbergen zu können: „Er ist eitel, aber dämlich“.

Leinwandpräsenz

Jean Gabin hat eine unglaubliche Präsenz. Er füllt die Leinwand aus, ohne ein Wort zu verlieren. Er ist der König der Pariser Unterwelt. Wenn er auftaucht, öffnen sich die Türen, sind ihm alle zu Diensten. Trotz seines fortgeschrittenen Alters liegen ihm die Frauen zu Füßen. Am Ende hat er alles verloren, weil die Freundschaft zu Riton ihm wichtiger war als das Gold. Seinen Schock über die Nachricht vom Tod seines Freundes kann er nur mühsam verbergen. Letztlich ist der Film eine Metapher über den Wert einer Freundschaft, die in diesem Fall mehr wiegt als Goldbarren im Werte von Millionen.

Fazit

Ein schöner, ruhiger Gangsterfilm mit einem atmosphärisch dichten Ausflug in die Pariser Unterwelt der 50er Jahre.

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